Dienstag, Februar 28, 2017

Equal Care Day

Morgen ist der Equal Care Day. Auf den Fragebogen gebracht hat uns Familie Rabe. Und weil einer der Grundpfeiler unserer Familie die Gleichberechtigung ist, haben wir heute die Denkanstossfragen zum Thema beide beantwortet. Das ist also sozusagen ein 50% Gastpost meines sonst eher bilderlastigen Co-Autors hier (Wir haben die Fragen übrigens unabhängig voneinander beantwortet, die leichten Unterschiede in der Wahrnehmung sind also nicht geplant, aber halt da).

Aktuelle Berufstätigkeit
Frau Brüllen: "Drug Substance Technical Leader" (aka verantwortlich für die technischen Aspekte der Herstellung verschiedener Wirkstoffe) bei einem grossen Schweizer Pharmaunternehmen
 
Herr Brüllen: "Innovation Project Director Personal Care" (wenn das Herstellen von Aktivsubstanzen in kosmetischen Produkten eine Baustelle ist, dann bin ich der Bauleiter, der neben der Grube steht, die Arbeit überwacht und dem Team hilfreiche Tipps gibt...)

Verhältnis der Erwerbstätigkeit und der Familienarbeit
Wir arbeiten beide Vollzeit aka 40 Stunden/Woche. Dazu kommen natürlich die verpflichtenden Pausen und bei mir die tägliche Fahrzeit von ca 1 Stunde dazu. Und die Überstunden, die im Prinzip aber wieder abgefeiert werden. Ich nutze die meist, um die Schulferien der Kinder wenigstens zum Teil abzudecken. Zur Unterstützung kommt einmal in der Woche eine Putzfrau für 3.5 Stunden und die Kinder werden nach der Schule von einer Nanny bis halb sechs betreut.

1. Wie ist die Care-Arbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?
Frau Brüllen: Das Ziel ist ganz klar 50:50. Feste, unverrückbare Zuständigkeiten gibt es nicht, im Prinzip kann jeder alles. Manche Sachen haben sich aber aus Organisationsgründen eingependelt. So geht Herr Brüllen an drei Abenden ausser Haus zum Sport, d.h. ich bin mit den Jungs abends allein beim Abendessen und ins Bett bringen. Aus dem gleichen Grund wirft Herr Brüllen aber auch an den Sportabenden direkt die Waschmaschine (natürlich nicht nur mit seinen Sportklamotten) an. Ausserdem ist er jeden Morgen dafür zuständig, die Kinder aus dem Bett und in die Schule zu bekommen. Essensplanung und das Kochen sind eher meine Baustelle, weil Herr Brüllen das nicht wirklich gern macht. Das heisst aber nicht, dass ich für die Kinder und ihn vorkoche oder so, wenn ich auf Geschäftsreise bin, es gibt dann halt einen eingeschränkteren Speiseplan. Die meisten "Zuständigkeiten" sind eher historisch gewachsen (Krankenkasse: ich, Autoversicherung: er, Bank: er, Hausrat: er, Unfall: ich), aber dank eines peniblen Ablagesystems kann auch der vermeintlich nicht Zuständige jederzeit alles finden. Alltagstätigkeiten werden fair geteilt. Jeder bügelt sein Zeug (oder organisiert aushäusiges Bügeln), jeder deckt den Tisch und räumt ab, jeder hängt Wäsche auf und legt zusammen, Steuererklärung machen wir immer gemeinsam.

Herr Brüllen: Ich habe den Eindruck, diverse Arbeiten haben sich von selbst verteilt, wo nur einer feste Zuständigkeiten hat (ohne dass das explizit besprochen worden wäre), andere werden von beiden ausgeführt, je nachdem wer gerade da ist. Meine Frau macht ungefähr so häufig das Auto sauber wie ich koche...

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende Care-Arbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?
Frau Brüllen: Weil es einfach gerecht ist. Wir haben die identische Ausbildung, lohnarbeiten gleich viel, hassen beide Bügeln und Steuererklärung, finden Wäschesortieren nur mittelspannend, haben es beide lieber sehr ordentlich als nicht, warum in aller Welt sollte nur eine(r) dafür verantwortlich sein? Die Vorteile sind erstens ein befriedigter Gerechtigkeitssinn, keiner hat das Gefühl auf Kosten des Wohlbefindens des anderen zu leben, und wir leben unseren beiden Söhnen vor, dass gleichberechtigte Partnerschaft funktioniert.

Herr Brüllen: Manche Sachen findet einer von uns schrecklich, während es dem anderen nichts ausmacht. das sind dann die leicht aufteilbaren Aufgaben (Ich koche nicht gerne und mache es auch nicht wenn ich alleine bin; Frau Brüllen macht es, wenn sie genug Zeit hat und es neue Rezepte sind je nachdem sehr gerne). In anderen Fällen findet einer von uns die Arbeit schrecklich und der andere sehr schrecklich. Auch hier lässt sich dann durch Aufteilung noch etwas gewinnen.


3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?
Frau Brüllen: Ich finde, es gibt keine Nachteile. Man muss halt miteinander reden, reden, reden, sich an Absprachen halten und organisieren, aber das ist ja kein Nachteil. Was mir manchmal schwer fällt, ist darauf zu verzichten, etwas "schnell selber" zu machen, weil das einfacher und schneller ist. Das scheint auf den ersten Blick so, aber so zementiert man schnell Zuständigkeiten und Kompetenzen, die man gar nicht so möchte. Auch die Kinder haben schon gelernt (oder lernen das immer wieder), dass "Ich kann das nicht" oder extra langsam oder ungeschickt anstellen bei Haushaltstätigkeiten nicht dazu führt, dass man davon befreit wird, im Gegenteil. Das ist natürlich ein langer und zäher Prozess, aber ich bin überzeugt, dass es das wert ist.

Herr Brüllen: Wir haben wie gesagt nie ein "Room-Mate Agreement" gemacht oder änliche, wo wir explizit besprochen hätten, wer welche Aufgaben erledigt. Meistens hat sich das von alleine eingespielt. Aber natürlich gibt es dadurch dann auch hin und wieder Situationen, in denen sich einer von uns beiden übervorteilt fühlt und die Aufteilung ungerecht wird. In solchen Fällen spürt man entweder die Vibes, dass etwas nicht passt oder es kracht irgendwann, man streitet/diskutiert und passt die Aufteilung entsprechend an (bisher trotzdem noch immer ohne "Room-Mate Agreement"...) Eine andere Schwierigkeit ist, wenn keine Einigkeit über die Notwendigkeit bestimmter Arbeiten besteht. Das war bei uns eine Zeit lang der Fall als wir keine Putzfrau hatten. Meine Frau und ich legen unterschiedliche Schwerpunkte auf den Hausputz (und dessen Umfang). Aber auch dieses Problem ist im Moment gelöst nachdem eine Putzfrau diese Aufgabe einmal in der Woche übernimmt (und sowohl die Dinge macht, die meiner Frau wichtig sind ebenso wie jene die mir wichtig sind).


4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?
Frau Brüllen: Ungefähr so viel praktischer und einfacher, wie eine Diktatur es im Vergleich zu einer Demokratie ist. Klar würde irre viel Organisationsaufwand wegfallen, aber irgendwann klappt entweder der zusammen, der alles macht oder der, der nix macht, fühlt sich aussen vor und übergangen. Und dann ist nichts mehr praktisch und einfach.

Herr Brüllen: Ja wäre super praktisch. Ich möchte es nicht sein. Meine Frau auch nicht... ;-)


5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?
Frau Brüllen: Ich glaube, wenn noch externe Stressfaktoren dazu kommen. Und zwar viele. Wie zB Geschäftsreisen, Kinder oder Eltern werden krank, es gibt Stress und Extraarbeit bei der Arbeit, es geht irgendwas kaputt, Sack Reis in China fällt um, irgendwie sowas. Ich glaube, wir beide reagieren in solchen Stresssituationen unterschiedlich. Ich zB bin der Typ "Zähne zusammenbeissen um jeden Preis" oder auch "Soldiering through", d.h. ich lege auch noch nachts um zwei Wäsche zusammen, weil ich mir vorgenommen habe, nie mit einem vollen Wäschekorb ins Bett zu gehen, während Herr Brüllen eher sagen kann: "Ich geh jetzt schlafen, das ist wichtiger, da geht die Welt nicht von unter". Da fühle ich mich dann manchmal allein gelassen und lege stinkwütend nachts um zwei Wäsche zusammen. Aber solche Stresszeiten sind relativ selten. Und wir kennen uns auch schon so lang und gut, dass das keine allzugrossen Dramen mehr gibt.

Herr Brüllen: Manche Dinge (wie z.B. Bügeln) können wir beide überhaupt nicht leiden. Das hatte zur Folge, dass jeder, wenn unbedingt nötig nur sein eigenes Zeug gebügelt hat und wir schliesslich diesen Task irgendwann komplett "ausgesourct" haben zur externen Reinigung.

6. Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der Care-Arbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?
Frau Brüllen: Ja, zwei. Und eine Katze, aber die ist schon volljährig. Es wurde auf jeden Fall viel mehr Care-Arbeit und viel, viel weniger Schlaf :-). Als die Kinder noch klein waren, habe ich mein Arbeitspensum zunächst reduziert (aus verschiedenen Gründen, einer war sicher meine Prägung von zu Hause, wo meine Mutter voll und ganz für die Kinder da war und so etwas wie ausserfamiliäre Betreuung überhaupt nicht existierte. Zumindest in den Köpfen. Davon musste ich mich auch erst mal emanzipieren.) und in der Zeit vermutlich auch mehr zu Hause gemacht, ich war ja auch mehr daheim. Je mehr ich mein Pensum dann aber erhöht habe, desto näher kamen wir wieder an die 50/50, die wir auch vor den Kindern hatten.

Herr Brüllen:Ja, zwei Kinder. Und natürlich ändert sich alles mit Kindern. Die Verteilung hat sich insofern geändert, dass viele Aufgaben hinzugekommen sind, die ebenfalls wieder aufgeteilt werden mussten. Hinzu kam, dass meine Frau Ihren Job wieder sukzessive aufgestockt hat von 0% auf 60%, 80%, 90%, 100% und damit jedes mal eine Anpassung der Care-Arbeitsverteilung vorgenommen werden musste, inklusive dem Einspannen von "Third Parties" (Nanny, Putzfrau).

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Frau Brüllen: S. oben.

Herr Brüllen: Mit dem Älterwerden der Kinder verändern sich natürlich auch deren Bedürfnisse und damit Anforderungen. Für mich fühlt sich diese Entwicklung aber graduell und subtil an, so dass es gefühlt nicht regelmäßig zu massiven Änderungen kommt.


8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann bzw. als Frau?
Frau Brüllen: Ich werde immer zu meinem Mann beglückwünscht, der so viel hilft (und beim Wort "helfen" würgt es mich dann schon ein bisschen). Ich werde regelmässig gefragt, wie ich das denn mit den Kindern mache, wenn ich auf Geschäftsreise bin oder Ferien sind. Ich glaube nicht, dass Herr Brüllen von Kollegen oder Eltern gefragt wird, wie ich das denn mit den Kindern hinkriege, wenn er für ein paar Tage auf einer Messe ist. Genausowenig werde ich von kernfamilienextern bejubelt, wenn ich es schaffe, die Kinder in Abwesenheit von Herrn Brüllen für drei Tage sauber, satt und ordentlich gekleidet zu halten.
 
Herr Brüllen: In meinem Umfeld wird das weniger diskutiert als z.B. in den sozialen Medien (wo ich manchmal verwundert bin, welche Probleme es gibt/ man sich machen kann). Ich sehe wie Kollegen und Freunde es machen und manche handhaben Dinge sehr ähnlich, andere komplett anders. Mich kümmert das ehrlich gesagt wenig (ich freue mich vor allem für sie, wenn es wie auch immer für beide Partner stimmt), weil ich der Meinung bin, es gibt da kein Patentrezept.


9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.
Frau Brüllen: Ehrlich gesagt war die positivste Reaktion, die ich bisher erlebt habe, die meines jetzigen Chefs seinerzeit in meinem Vorstellungsgespräch: es gab nämlich überhaupt gar keine. Die Kinder, die Betreuung, das "Wie wollen Sie denn diesesn Job UND Familie unter einen Hut bekommen?", das war einfach überhaupt kein Thema, es wurde als selbstverständlich angesehen, dass ich das ja wohl im Griff hätte, sonst wäre ich nicht hier. Negative Reaktionen habe ich so eigentlich wenig erlebt, was ich jedoch sehr mühsam finde, ist, wenn mir scheinbar wohlmeinend, tatsächlich aber dann doch sehr bevormundend (ungefragt) erklärt wird, was wie gehen würde und was nicht, weil die eigene Gattin das ja auch so oder so machen würde.
 
Herr Brüllen:Positiv finde ich, dass ich bei mir in der Firma noch nie Probleme hatte, wenn ich aufgrund von "Care-Arbeiten" (sei es Kinder zu Hause betreuen wegen krank, oder Elektriker betreuen wegen Elektroinstallation) zu Hause bleiben musste um von da aus zu Arbeiten. Das hilft extrem vor allem in außerordentlichen Situationen. Negative Reaktionen fallen mir in diesem Zusammenhang tatsächlich nicht ein. Ah, doch eine Sache nervt mich sehr: In der Schule scheint noch immer ein sehr konservatives Rollenbild zu herrschen, welches vorsieht, dass die Kinder einfach heimgehen, wenn der Unterricht aus welchem Grund auch immer, ausfällt. Es ist noch immer nicht in den Köpfen der Schulleitung, dass nicht ein Eltenteil den ganzen Tag zu Hause hockt und nur darauf wartet , dass die Kindelein, wann auch immer, nach Hause kommen.


10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?
Frau Brüllen: Such Dir einen Job, der dir Spass macht UND dich ernähren kann. Und eine Familie. Such dir einen Partner, der das mit dir gemeinsam trägt. Der keine Angst hat, den Mund aufzumachen und seinen Standpunkt eben auch vor seinen Kollegen und Chefs zu vertreten. Erwarte nicht, dass es von allein passiert. Sei bereit, damit anzuecken. Gib nicht auf und lass Dir nicht einreden, dass es nicht geht.
 
Herr Brüllen: "Mach Dir keine Sorgen. Du findest schlussendlich den perfekten Partner, mit dem Equal Care ganz wunderbar gelingen wirst (wenn Du ihr erstmal gebeichtet hast, dass Ihr nie gemeinsam in der Küche ein Festmahl zubereiten werdet, auch wenn sie davon eine romantische Vorstellung hat (die nichts mit der Realität zu tun hat, weil sie in der Küche lieber fest die Zügel in der Hand hält als dass da jemand "equally" mit rumpfuscht)). ;-)

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?
Frau Brüllen: In der Schweiz wünsche ich mir, dass es zB nicht nur ein, zwei, drei Tage Vaterschaftsurlaub bei der Geburt eines Kindes gibt, sondern dass es irgendeine Art ELTERNzeit, nicht nur Mutterschaftsurlaub gibt. Und dass sich die in den Grossstädten (oder was in der Schweiz halt Grossstädte sind :-)) und teils in den Ballungsräumen sehr gute Betreuungssituation auch auf das (Um)Land ausbreitet. Ganztagsschulen oder wenigstens eine vernünftige Betreuung über die Mittagszeit wären auch toll. So gut die Betreuung für die Kleinsten abgedeckt ist, so dünn wird es am Kindergarten/Schuleintritt. Kantonal unterschiedlich natürlich.
 
Herr Brüllen:Nun, das übliche: Equal Care würde noch besser funktionieren wenn Equal Pay Realität werden würde. In unserem Fall Jammern auf sehr hohem Niveau, aber dennoch wahr und richtig.


12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?
Frau Brüllen: Ich wünsche mir, dass mehr Männer und Frauen sehen, dass es gar nicht nur mehr von der Gesellschaft, der Politik, vom Arbeitgeber braucht, sondern dass Entscheidungsträger zuallererst sie selber sind. Ich höre und lese so oft "50/50" wäre so super, aber bei uns geht das nicht, der Job von meinem Mann erlaubt das nicht. Das macht mich immer ganz kribbelig, weil erstens auch mein Chef nicht Hurra schreit, wenn ich wegen Kind krank oder Laternebasteln nicht im Büro erscheine, genausowenig wie der des Herrn Brüllen ihn vor die Tür stellt, weil er seinen (gesetztlich zugesicherten) Kind-krank Tag (oder zwei oder drei oder mehr) nimmt oder wegen eines Lehrergesprächs eher das Büro verlässt. Wenn man (und damit meine ich: Frau) schon nicht mal dem eigenen Partner, dem das Wohlergehen  und die gerechte Behandlung seiner geliebten Ehefrau doch viel mehr am Herzen liegen sollte, als jedem Chef oder Politiker, klarmachen kann, wie viel einem an einer gleichberechtigten Partnerschaft liegt, wie kann man dann erwarten, dass die Gesellschaft, Politik, Wirtschaft das bitte für einen richten soll?
Aber natürlich wünsche ich mir von den Entscheidungsträgern, dass sie sich von den tradierten Rollenbildern lösen, dass sie nicht ihr Modell oder das ihrer Eltern als das einzig wahre sehen. Ich finde es interessant zu sehen, dass oft die formalen Regelungen viel grosszügiger sind als sie tatsächlich gelebt und in Anspruch genommen werden. Ich weiss noch, wie ich neu bei meinem jetzigen Arbeitgeber angefangen habe und die ganzen Regularien lass wie "3 Tage bezahlter Kinderpflegeurlaub pro Krankheitsfall, Anzahl unbeschränkt" und die Abteilungssekretärin mirch dann bei der Einführung ins Zeiterfassungssystem warnte, bloss nie einen einzgien Tag kindkrank zu nehmen, weil da würde man dann gefeuert. Was übrigens nicht stimmt, aber das hindert sie nicht daran, das heute noch zu verbreiten. Ich wünsche mir weniger "Das geht nicht" und mehr "Haben Sie eine Idee, wie das klappen könnte?"
 
Herr Brüllen: Ich bevorzuge für mich selbst zu entscheiden innerhalb der mir gegebenen Möglichkeiten und nicht stets darauf zu hoffen das "irgendwer da oben" Dinge dahingehend verändert, dass für mich etwas positives dabei herauskommt.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?
Frau Brüllen: Ich wünsche mir, dass es eine Selbstverständlichkeit wird, dass sich Eltern die Carearbeit gleicberechtigt teilen. Ich wünsche mir, dass irgendwann nicht mehr mit grossen Augen geflüstert wird, wenn der Papa zum Räbeliechtlischnitzen in den Kindergarten kommt, dass niemand mehr Angst hat, dass Mann und Kinder verhungern und verwahrlosen, wenn die Frau und Mutter nicht da ist. Ich wünsche mir, dass niemand mehr mit den Augen rollt, wenn ein Vater sagt "Da kann ich nicht, da bin ich dran mit Kinder für die Schule fertig machen." Und dass alle im Haus endlich mal mein System zum Teller- und Besteckschubladeneinräumen erkennen und berücksichtigen.
 
Herr Brüllen: Ich wünsche mir, dass es irgendwann keinen Equal Care Day mehr braucht, weil Equal Care zu einer selbstverständlichen Sache geworden ist.

Kommentare:

sabigleinchen hat gesagt…

Tolle Antworten, 100 Punkte :). Besonders schön daran ist, dass ihr das auch wirklich lebt.

Freya hat gesagt…

Zu 12:sooo wahr!!! Ich übergebe in fünf Wochen zum zweiten Mal die Elternzeit an meinen Mann. Wir teilen uns die Elternzeit (wie beim ersten Kind auch schon) und auch sonst Haushalt, Arbeit und Kinder. Und immer sind alle so erstaunt, beglückwünschen mich zu meinem Mann und sagen dass der Arbeitgeber ihres Mannes das nicht mitmachen würde bzw das bei ihnen ja einfach nicht geht... waaaaah!!!
Ich bin ansonsten stille Mitleserin, die sich oft über die Geschichten des Alltags hier freut. Danke!