Dienstag, Mai 23, 2017

DRAMA!

Hier habe ich ja schon mal kurz was über die Liftanlage im Elfenbeinturm geschrieben. Normalerweise funktioniert das (bis auf das Ein- und Aussteigen und auf das weisse Rauschen an Gemotze über "man muss brutal lang auf den Lift warten, das geht einfach nicht" vs "meine Güte, stellt euch nicht so an, ihr Faulpelze, kein Mensch muss 3 Stockwerke mit dem Lift fahren!" auf den verschiedenen internen sozialen Netzwerken) alles super.

Heute allerdings: nicht so. Pünktlich zu Beginn der Mittagszeit (so gegen halb 12) ging auf einmal nichts mehr. Das Liftsteuersystem behauptete standhaft, die Lifte wären überlastet, man solle es doch später nochmal probieren. Mein Kollege und ich waren zu hungrig um zu warten, aber andererseits: zur Kantine geht es nur runter (18 Stockwerke), das ist ja schnell erledigt. Ich habe noch in weiser Voraussicht meine wunderschönen, aber nicht sooooooo hardcore staircaserunning kompatiblen dunkelblauen Wildlederpumps gegen flache Ballerinas * ausgetauscht, dummerweise (Schrittzählerchallenge!!!) das Handy auf dem Schreibtisch liegen lassen und wir haben uns schwungvoll auf den Weg nach unten gemacht.
Das Treppenhaus war viel bevölkerter als sonst, die meisten Leute noch guter Dinge (mal so unter uns: für Leute, die für normales Laufen** nicht eingeschränkt sind, mögen 18 Stockwerke viel klingen, aber runter ist das nun echt kein Hexenwerk, da wirds einem höchstens schwindlig.), wir haben lecker gegessen, kurz geschaut: Lifte gehen immer noch nicht, wir sind also ein Stockwerk nach oben gelaufen, haben einen Kaffee getrunken, aber irgendwann war nix mehr mit warten, weil ich einen Termin am anderen Standort hatte und nicht nur einmal quer durch die Stadt, sondern auch noch einmal rauf in mein Cubicle (und natürlich wieder ganz runter) musste, weil da noch mein Laptop und alles lag.
Die Lifte gingen immer noch nicht, also machten wir uns wieder auf den Weg nach oben und ja, 17 Stockwerke rauf, das ist schon ein bisschen anstrengend. Aber andererseits war das jetzt ja nun auch keine Notfallsituation, jeder von den Turmbewohnern konnte sich ja eigentlich ausrechnen, dass das nun nicht sooooo lang gehen würde, bis der Lift wieder laufen würde. Es gab ja nach wie vor Licht, frische Luft, Wasser, Kaffee, Tee, Snack-Automaten, funktionierende Toiletten und überhaupt die gesamte Infrastruktur, nur halt keine Lifte, im ganzen Turm. Im Treppenhaus herrschte eine sehr interessante Stimmung. Die meisten Leute reagierten mit kleinen Witzchen und blöden Kommentaren, je nach Laufrichtung mit mehr oder weniger Puste und roten Köpfen. Manche Leute machten auch keine Witze, sondern grimmige Gesichter, aber was mich echt erschütterte, waren Menschen, (also, nicht nur einer) die weinend, verschwitzt, panisch auf Treppenstufen sassen. (Ich fragte, ob ich helfen könnte, wurde aber schniefend weggewedelt) .
Es ist ja jetzt nicht so, dass irgendwie der Turm um uns rum abbrannte oder einstürzte oder irgendeine Art Notfall eingetreten war, die Lifte waren gerade mal für ... 40 Minuten ausgefallen. Vielleicht bin ich wirklich unsensibel (naja, what else is new? :-)), aber ich verstehe wirklich nicht, wie man dadurch so aufgelöst werden kann. (Klar, für lauftechnisch eingeschränkte Menschen war das schon wirklich doof, wir haben zwei Kollegen auf dem Stockwerk, die tatsächlich auf die Lifte angewiesen sind, aber für die kurze Zeit? Von denen hat auch keiner geweint.)
Nun ja. Oben angekommen habe ich also ein Glas Wasser getrunken, meine Sachen zusammengepackt (die praktischen Ballerinas grad angelassen) und mich wieder auf den Weg nach unten gemacht (angeblich wären die Lifte da mit Notstrom wieder gefahren, aber mit meinen Rollkragenproblemen fahre ich nicht 21 Stockwerke mit Notstrom im Lift.
Zum Cooldown noch ein kleiner 2.5km-Marsch durch die Stadt und schon zeigt sich, die Wochenend-Malaise ist vorbei.
Nach ca anderthalb Stunden kam dann die Entwarnung: die Lifte laufen wieder.
Ich persönlich (ich habe vermutlich zuviel "Homeland" oder so gesehen) vermute ja ein bisschen, dass das ein Testrun des Ereignisdienstes war, um die immer noch ausstehende Evakuierungsübung für den Elfenbeinturm für den Notfall besser planen zu können. Man kann jetzt schon sagen: es wird Tränen geben (wobei es dann ja eh nur runter gehen wird....).

* Für den Fall, dass ich mal in die Produktion muss (oder mich beim Mittagessen mit Sosse vollschlabbere oder so), habe ich ein komplettes Outfit, das den Sicherheitsrichtlinien entspricht, im Büro, also: lange Hose und passendes Oberteil. Dazu gehören natürlich dann Laborkittel, Anstosskappe und Sicherheitsschuhe, die Ballerinas habe ich eher für den Sommer und potentielle Blasen durch schönes, aber nicht ganz so lauftaugliches Schuhwerk im Büro. Ausserdem Strickjacke, frische Socken, Deo, Makeup-Notfallkit, Bürste, Haarwachs, Handcreme, Sonnencreme, Pflaster, Kopfschmerztabletten, Notfall-Studentenfutter, also: ich könnte vermutlich eine Zeitlang in meinem Cubicle überleben :-)

** im Schweizer Sinn, also: "gehen" für die Deutschen, das ist jetzt kein Witz. Deutsches "Laufen" heisst hier "Rennen" oder "Säckle")

Montag, Mai 22, 2017

Zeug

Diese Woche ist ja superkurz. Die Zeit zwischen Osterferien und Sommerferien ist hier schon eine einzige Reihe an Feier-, Brücken- und Lehrerweiterbildungstagen. Einerseits schon schön, andererseits bleibt für die Dinge, die halt an fixen Terminen fällig sind, weniger Zeit zum erledigen. (und ich Fuchs habe mir irgendwie den "freie Tage am Standort Basel"-Kalender gemuted, so dass ich für ein dringendes Meeting schon sehr überrascht war, dass diesen Mittwoch noch alle freie Slots hatten, und erst mal sehr motzig wurde, als alle kommentarlos absagten. Aber yay, Feiertag!)

Dementsprechend suche ich jetzt im Standardwerk der Schweizer Bergliteratur (Affiliatelink) für Eltern (eigentlich sind es Einzelbände, aber das, was ich bräuchte, ist vergriffen, deswegen habe ich jetzt das best of) nach einer schönen Bergtour fürs lange Wochenende. Das grosse Kind darf auf keinen Fall jammern :-), das kleine kann ja mit dem Seil raufspringen. Little Q. wünscht ausserdem, dass wir nochmal zum Fünfschilling frühstücken gehen, das am Samstag hat er ja wegen Hike verpasst.

Apropos Pfadi: es steht ja das Pfingstlager vor der Tür (nahezu drei Tage kinderfrei, was machen wir denn da?) und für die Grossen heisst das Motto: "Mission to Mars", d.h. Tenue zum Antreten ist nicht nur Uniform, sondern .... Astronautenanzug. Was auch immer man da draus macht. Die Mutter von Q.s bestem Freund kam auf die Idee, im Baumarkt Tyvek-Anzüge zu besorgen (wir haben bei der Arbeit die fremdbelüfteten Vollschutzanzüge, die noch besser wären, nur in XXL, damit alle Mitarbeiter reinpassen, und das ist für 11jährige ein bisschen zu gross. Ausserdem ist das wieder unendlich kompliziert, die da legal und ordnungsgemäss abzukaufen....), die ich jetzt via Stickmaschine mit (Pfadi)Namensschildern und Weltraumoptik versehe.

Ansonsten: Hummeln im Hintern. Meine Malaise vom Wochenende ist besser, aber noch nicht gut, so dass ich sporttechnisch noch aussetzen sollte/müsste/werde. Das macht mich kribbelig.

Aber immerhin komme ich dazu, das schöne Wetter zum Lesen auf dem Balkon zu nutzen. Übrigens "The Handmaid's Tale" (Affiliatelink), wie fast gefühlt alle in meinem Internet gerade.

Sonntag, Mai 21, 2017

Ruhm und Ehre

Vor ungefähr 2 Wochen kam Little L. nach Hause und meinte: "Wir kriegen jetzt im Turnen  Noten auf Seilspringen, man muss mindestens 10 Sprünge schaffen, ich bin da voll schlecht, das wird nix."
Anscheinend schaffte er auf Anhieb nur zwischen 0 und 3 Sprüngen und war ...  etwas gefrustet. Es war vermutlich das allererste Mal in seinem Leben, dass er wirklich Seil sprang, das gehörte früher zwar zu meinem Alltag, aber bei usneren Kindern eher nicht so.
In meinem Kopf geriet es wieder ein bisschen in Vergessenheit, bis Little L. letzte Woche heimkam und meinte: so, ich hab voll viel geübt, ich konnte heute 12 Sprünge, das gibt eine 5 (Die Schweizer Notenskala ist andersrum, gell, keine Sorge!). Wenn ich noch mehr übe und das nächste Mal noch zwei Spezialsprungarten auch 10 mal schaffe, dann bekomme ich eine 6 , wo ist ein Springseil?"
Tja. Gottseidank haben wir (wober auch immer) eine ganze Kiste Springseile und seitdem übt Little L. auch zu Hause mehr oder weniger rund um die Uhr (an einem Abend gab es eine Familienchallenge. Der Hübsche ist wegen Kampfsportaufwärmtraining ziemlich gut in normalem Springen, ich wegen Beckenboden leider gar nicht mehr so gut, wie ich dachte, aber das rechts-links-Wechselspringen kriege ich immer noch hin). Ganz ohne Antrieb elternseits hat er sich selber blind springen, rückwärts springen, Seil überkreuzen beim Springen und auf einem Bein springen beigebracht und hat nun die beste Seilspringnote der Welt bekommen.


Heute haben wir Little Q. mittags mit müden Beinen, aber sehr glücklich von der Hike Challenge der Pfadis abgeholt. Er ist wieder die gesamten 40km mitgelaufen, davon die ersten 20km bergauf. Er hätte alle 10 km aussteigen können, aber obwohl er und seine Freunde die kleinsten der Truppe sind, sind sie alle mindestens 30 und die meisten sogar die ganzen 40km mitgelaufen.


Einerseits ist es vermutlich nicht verwunderlich, dass sie eine ordentliche Portion Ehrgeiz an den Tag legen, ich meine, ... Gene sind Gene, Vorbild ist Vorbild, gegen nature und nurture zusammen haben sie vermutlich gar keine andere Chance. Ich hoffe trotzdem, dass sie (ja, anders als ich, ich gebe ies zu) ein gesundes Mass für den Wettkampfgeist finden, aber es gibt Bereiche, wo sie durchaus "Dabeisein ist alles" leben und das ist ja eigentlich schon mal ein ganz guter Hinweis.


So, bitte entschuldigen Sie mich, ich muss erst für unser verlängertes Wochenende noch eine Bergtour raussuchen, unter 40km fangen wir gar nicht erst an, und dann muss ich noch dieses vermaledeite Überkreuzen beim Springen üben.....

Samstag, Mai 20, 2017

Ungewohnt

  • früh aufgestanden, weil Little Q. heute morgen um acht schon zur Hike Challenge der Pfadis antreten musste. Ich bin gespannt, ob er wie letztes Jahr die 40km durchhält oder doch eher abbricht (ich habe ihm gestern versucht  klarzumachen, dass er sich nicht quälen soll und auch 10km schon eine tolle Leistung wären, aber ich glaube, er hat mir nicht geglaubt. Der Hübsche meint: aus meinem Mund ware das auch total unglaubwürdig, weil ich ja selber kein Mass und Ziel kennen würde. Tja.)
  • mit nur einem Kind im Schlepptau aushäusig frühstücken gegangen. Man glaubt es kaum, unsere an sich dauerquasselnde Familie sass zufrieden und still lesend am Tisch, Kind mit Buch, Erwachsene mit mobilen Endgeräten. Alles sehr harmoisch, bis der Hübsche irgendwie mein Handy in meine Cappuccinotasse fallen liess, beim Rausrupfen den Löffel schleuderte, der das Marmeladentöfpchen auf meinem Tablett quer an mir vorbei auf den Boden schleuderte und wir dann beschlossen, dass wir lieber gehen sollten.
  • im Hofladen Erdbeeren, Spargel, Sekt und Apfelringe gekauft
  • im deutschen Nachbarsdorf versucht, einkaufen zu gehen, aber das ist so grattlig, das macht überhaupt keinen Spass.
  • aus Gründen (kein Mass und Ziel könnten gut damit zu tun haben), bin ich im Moment ein wenig gehandicappt und habe fiese Schmerzen, wenn ich nicht flach rumliege. Das schafft mich ganz schön, weil es erstens sauweh tut und zweitens so doof und unangenehm ist und ich ja vermutlich zu einem ordentlichen Teil zur Verschlimmerung beigetragen habe, also war ich froh ums Heimkommen.
  • am Mittag im Bett eine Folge "13 reasons why" angeschaut. Lotterleben galore (ich finde die Serie ganz unglaublich anstrengend. Und zwar nicht, weil mir Hannah Baker so leid tut und ich an der heutigen Jugend und ihren rohen Sitten verzweifeln möchte, nein, weil ich ausnahmslos alle , okay, bis auf die Mutter von Hannah vielleicht, Seriencharaktere unglaublich anstrengend, selbstzentriert und mimimimimimi finde... Könnte sein, dass Schmerzen mich das Gegenteil von milde stimmen)
  • Joah. Und so machen wir halt heute nicht die geplante Radtour, immerhin haben der Hübsche und Little L. mein Rad mit frühlingsfit gemacht (Danke ).
  • Ach ja: als Ironie des Schicksals kam das Limangopaket mit den Softshelljacken und Wandersocken für die Kinder für den Norwegenurlaub einen Tag zu spat, dass Little Q. die Wandersocken gerade hätte nutzen können. Nun ja.
  • Jetzt: Spargel. Viel, viel Spargel.



Freitag, Mai 19, 2017

Spin Doctor

Little Q. und Little L. sind ja, wie gefühlt alle Ü5 Kinder dieser Welt, im Fidget Spinner-Fieber. Ich gebe zu, die Fingerkreisel, die als Mittel zur Selbstregulierung/-beruhigung unter Autisten und Menschen mit ADHS Verbreitung fanden, haben etwas Hypnotisches. (Und ja, man kann sie auf der Nasenspitze drehen lassen, auf dem grossen Zeh und auch auf der Zungenspitze, aber das ist ein bisschen eklig, schwierig, schmierig und man sieht dabei nicht besonders intelligent aus; der Hübsche sagt: für alle aus Internet 1.0: das sind 3 Videos in einem und es lohnt sich, durchzuscrollen bis zum dritten. Das Augenrollen hat das Kind von mir).

Ein Beitrag geteilt von Christian Xstettmayer (@prozac74) am


Nachdem sie ja ihre ersten auf der Muba letzte Wochenende erstanden haben, haben sie sich nun via Youtube viel weiter in das Thema hineingefuchst. Sie können mir sagen, was die teuersten Spinner der Welt sind und welche sie davon am tollsten finden. Ich weiss mittlerweile, was die beste Antwort ist, wenn man nicht richtig zugehört hat oder vor lauter "Plättchen abmachen, Keramikkugellager, Zahnräder, 5 Minuten, aber nur mit extra stark angeben" irgendwann den Anschluss verloren hat, und dann spontan gefragt wird: "Welchen findest Du am besten?". Nämlich: "Den mit den vielen Zahnrädern", Da gibt es immer einen, der ist auch immer toll, aber eben wegen Wartungsintensität nicht unumstritten.*


Also. Bei so viel Begeisterung bleibt eine gewisse Gierigkeit natürlich nicht aus. Und so wurde heute beschlossen, dass man Taschengeld in Spinner investieren möchte.


Das kann man jetzt natürlich doof finden, Geld rausgeschmissen für nix, so ein blöder Plastikkrusch, die armen Kinder in Afrika, ihr habt so viel tolles Spielzeug, da schau mal, der biologisch.dynamische Holzkreisel aus dem Ökoladen, den Du damals zur Taufe bekommen hast, oder .... man kann das auch zum Lernen nutzen.


Und so wissen Q. und L. jetzt, dass man zu Anfang eines Projektes einen Budgetrahmen festlegt, wie man die Suche auf Amazon bedient, wie man mit Listen operiert, dass und wie man Kundenrezensionen liest und was man daraus liest, wie man Versandoptionen vergleicht, dass versandkostenfrei nicht immer das beste ist, dass es einen Unterschied macht, woher die Ware geschickt wird, dass nicht jeder Händler in die Schweiz verschickt (und wie wir das lösen), wie lustig es klingen kann, wenn jemand ein Übersetzungsprogramm für die Artikelbeschriebung nutzt,, und wir freuen uns schon alle sehr auf die Neuerwerbungen, die zT einen sehr weiten Weg zurücklegen werden, aber dafür dann hoffentlich wirklich "Töten Langeweile (Affiliate link)
".


*Ich erinnere mich: solche default Antworten gab es auch in früheren Begeisterungsphasen schon. zB "Der mit dem grimmigen Gesicht"

Donnerstag, Mai 18, 2017

Jöööööh!

Aus Gründen bin ich gerade dabei, nach über 12 Jahren Bloggerei nun doch mal Blogvisitenkarten zu bestellen (Wir hatten ja damals nix!). Und auch, weil die moo-mini-Cards so niedlich sind.
Es beschleunigt den Prozess natürlich nicht, dass ich 100 verschiedene Frontdesigns hochladen kann. Ich versumpfe also mal in alten Bildern und Blogposts auf der Suche nach aussagekräftige Bild- und Zitatmaterial.
Auf der Suche nach dem Offensichlichen (der Headerbilddatei) hat der Hübsche diese Making-Off-Perle entdeckt.



Erkennen Sie den kleinen Zwerg noch? Und wo ist eigentlich der Pulli? Den fand ich super.

Mittwoch, Mai 17, 2017

Klonk

Meinem rechter oberer Schneidezahn fehlt seit über 17 Jahren eine kleine Ecke. Die habe ich mir in der Silvesternacht 1999/2000 mit einer Sektflasche abgeschlagen. Das ist ungefähr das Wildeste, was ich jemals in nicht ganz nüchternem Zustand gemacht habe. Wir waren zu dieser Zeit Diplomanden und haben in Schwabing gewohnt. Silvester haben wir mit der Truppe, mit der wir alles zusammen gemacht haben, bei einem Freund im Westend erst gemeinsam gekocht (und getrunken), dann sind wir zu Fuss (mit Getränken) Richtung offizielles Feuerwerk gewandert. Dort war dann alles so unglaublich voll, dass wir lieber mal eine Lücke zwischen den Prachtbauten gesucht haben, die nicht abgesperrt war und zack, auf einmal waren wir (und unsere Sektflaschen) auf der Seite der Absperrungen, auf der nur die Polizisten und das Feuerwerk waren. Erwachsen und vernünftig und überhaupt, wie ich jetzt halt, bin würde ich das und das Folgende heute nicht mehr machen, aber als die (in Anbetracht der eigentlich sehr angespannten Situation und überhaupt) sehr freundlichen Polizisten uns aufforderten, uns doch gefälligst hinter die Absperrung zu begeben, und nur weil der Durchschlupf, den wir gefunden hatten, beim Absperren vergessen worden wäre, hiesse das nicht, dass wir jetzt da auf dem freien Platz rumturnen könnten und überhaupt: Feuerwerk, hopp, marsch jetzt!, da (und ich frage mich immer noch, wie ich so betrunken gewesen sein konnte, das zu tun und gleichzeitig nicht betrunken genug, um das vergessen zu haben) habe ich einen der Polizisten fest umarmt, auf den Mund (oder die Wange? das weiss ich nicht mehr) geküsst, ihm ein wunderschönes Silvester und neues Jahrtausend gewünscht und das mit einem kräftigen Schluck aus meiner Sektflasche bekräftigt. Dabei war ich dann nicht so geschickt im Zielen und habe mir ebendiese Ecke aus dem Zahn geschlagen. (Der Rest des Abends war unspektakulär, wir haben uns zwar nicht hinter die Absperrung, sondern direkt davor gestellt, das Feuerwerk war mittel, die Böller, die in der zusammengequetschten Menschenmenge gezündet wurden, echt doof und danach hatte ich trotz damals jahrelangem Vegetariertum unglaublich Appetit auf ein Brathähnchen und der Hübsche (und die schon geschlossenen Buden auf der Feiermeile) weigerte sich, diesem Jieper nachzugeben, weil es mir am nächsten Tag sicher leid tun würde. Wir sind dann noch auf einer anderen Party gelandet, wo ich den ersten Red Bull meines Lebens getrunken habe, und danach war mir so unglaublich schlecht, dass das auch der einzige blieb. (Jajajaja, es lag bestimmt nur am Red Bull, ich weiss).

Nun ja, liebe Kinder, macht das alles nicht nach, aber das könnt ihr eh nicht, weil bevor es den nächsten Milleniumswechsel gibt, sind wir ja eh alle nur noch Sternenstaub. Oder so.

Auf jeden Fall musste ich gestern an diesen Abend denken, als ich mich vorbeugte, um meine Tasse "Lady Grey"-Tee an die Lippen zu führen und, ach, man weiss es nicht, gleichzeitig zur Seite schaute, weil der Hübsche irgendwas Witziges gesagt hatte, und zack, schon hatte ich mir mit der grossen Teetasse (die habe ich von meinen letzten Dollar-Scheinen gekauft, als ich in San Diego die Zelte nach meinem Forschungsaufenthalt dort abbrach. Die beiden dickwandigen Starbucks-Tassen und das seltsamfarbige Geschirr, das ich aus seltsamen Gründen im Fluggepäck mit nach Hause genommen habe, leben immer noch!) so blöd gegen genau den Zahn gedotzt, dass noch ein kleines Stückchen abgebrochen ist. Nicht schlimm, ich denke, in zwei, drei Monaten habe ich mich dran gewöhnt und laufe nicht mehr die ganze Zeit mit der Zungenspitze zwischen den Zähnen rum.

Tja. Auch wenn "Mit der Sektflasche nach Küssen eines fremden Mannes ausgeschlagen" recht cool klingt, bin ich doch froh, dass man das altersangemessen auch in der Variante "Auf dem Sofa beim Seriengucken mit dem Ehemann mit der Teetasse" hinbekommt.