Donnerstag, November 09, 2017

Zukunftstag 2017

Was der Nationale Zukunftstag ist und soll und was wir letztes Jahr gemacht haben, habe ich ja letztes Jahr schon erklärt.
Eigentlich wollte Little Q. dieses Jahr beim Hübschen mitgehen, aber, wie Q. selber schon beim Ausfüllen der Schulbefreiung zu seinem Lehrer meinte: "Und für den Fall, dass das irgendwie nicht klappt, was wohl keine Überraschung ware, gehe ich bei meiner Mama mit, da wo die arbeitet, geht das jedes Jahr.", ist das nichts geworden. Primär, weil der Hübsche auf einem dreitägigen Innovation Summit in Amsterdam weilt (und meinen Vorschlag, ich würde Q. morgens in den Flieger setzen, eher nur so mittel fand), sekundär schon auch, weil der Zukunftstag bei ihnen nicht den gleichen Stellenwert hat wie bei uns, was sich im Programm (Null vs. soviel, dass man eher eine Zukunftswoche bräuchte, um das ganz zu nutzen) niederschlägt. Der Hübsche hat das zwar mit den Verantwortlichen bei sich angesprochen und leider nicht viel mehr als ein unbefriedigendes "Tja" als Antwort bekommen.
Nun denn, die Auswahl fiel anhand der grossartigen Möglichkeiten echt schwer, aber nachdem ich es geschafft hatte (ich hatte mir morgens um 6 an dem Tag, an dem die Anmeldelisten aufgingen, einen reminder in den Kalender geschrieben), Q. zum grossen Rundumschlagprogramm anzumelden, blieb uns für den restlichen Tag gar nicht mehr viel Zeit.


Und so machten wir uns gegen halb acht auf den Weg (der arme Little L. hätte heute eigentlich länger schlafen können, aber weil der Hübsche nicht da ist und Q und ich eben eher los mussten und er --und ich -- sich unwohl fühlte, als letzter allein das Haus zu verlassen, brachten wir ihn noch bei seiner Freundin* vorbei, wo er noch für eine gute halbe Stunde dabei helfen durfte, dass die Morgenroutine mit drei Kindern nicht zuuuuu langweilig wird.).

 

An der neuen Porte lagen schon alle Ausweise für die angemeldeten Kinder bereit (mit Farbcodierung für die Gruppen), wir wanderten über das Areal zum Treffpunkt (mit gefühlt Millionen anderer Elternkindpaare).


Das zentrale Programm war nur für die Kinder gedacht, was für mich sehr praktisch war, musste ich doch für die Kollegin in der Goal Review Präsentation einspringen und ... sagen wir mal so: es wäre für Q. vielleicht nicht ganz so spannend gewesen wie für mich. Also shuttelte ich in die Stadt, wurde von einem vielleicht gar nicht so kleinen Problem überrascht (ha, da lohnt sich doch meine gestern aufgefrischte Data Integrity Schulung), präsentierte (Wir haben ein fettes Lob bekommen, jetzt muss nur noch der letzte Rest vom Projekt gut werden), schrieb einen "Forced Degradation Study Report", nahm am Group-Huddle teil (ich schreibe das so genau auf, falls Q. in seinem Bericht schreiben muss, was seine Mutter eigentlich arbeitet :-)), shuttelte zurück und nahm Q. in Empfang.


Der war so unglaublich aufgeregt und begeistert, dass ich erst im Lauf der Zeit verstanden habe, was sie alles besichtigt haben:
In der Kantine haben sie in der Versuchsküche Gewürze gemischt:





Mit der Werksfeuerwehr haben sie Löschen geübt: Löschdecke, CO2-Löscher und mit dem grossen Schlauch (bei ca 5 Grad fand Q. das gar nicht so super, wie im Sommer zB).

In der IT-Abteilung gab es eine Einführung über: was machen die eigentlich? Wo sind die Daten? Was sind Server? Wie werden die geschützt?
Dann durften sie das automatisierte Rezept- und Kontrollsystem testen anhand einer Wundertütenproduktionsstrasse.

Am allerbesten (das WUSSTE ich!) fand Q. danach aber die Lagerbesichtigung (sehr beeindruckt war er vom Kühllager, dem Hochregallager, von den automatischen Robotern, die unterirdischen Tunnel zur Produktion und in die Verpackung, okay, es ist halt unser globaler Logistik-Hub, das ist schon beeindruckend) und den Verpackungsbetrieb. Der ist aber auch eine wahre Freude zum Zuschauen. Die Führung wurde offensichtlich von einem Schweizer geleitet, Q. spricht "bulk" (das ist der Ausdruck für noch nicht final verpacktes Drug Product, zB Kapseln oder Tabletten, die noch nicht geblistert sind, sondern in Fässchen) nicht "balk", sondern "bölk" aus :-). Neben mit grossen Augen gucken durften die Kinder in Schutzkleidung Smarties in Fläschen verpacken.

In der Kantine gab es dann das obligatorische Schnitzel, aber viel Zeit hatten wir nicht: wir hatten nämlich einen Platz im Schülerlabor ergattert (BTW: das Schülerlabor steht zB Schulklassen kostenfrei zur Verfügung und ich kann es nur wärmstens empfehlen.

In einem perfekt vorbereiteten Setup (incl Einführung, was Forschung eigentlich bedeutet, nämlich Hypothese, Experiment, Schlussfolgerung, etc.) waren fünf Experimente vorbereitet, die Eltern mit ihren Kindern durchführen konnten, von Rotkohlindikator über Tintenkiller, Kältemischung, Chromatographie zum Feuerlöscher zum Selberbauen.








Q. war unglaublich begeistert bei der Sache, unglaublich ... kommunikativ (das hat er von seinem Vater, ich habe irgendwann in der 5./6. Klasse aufgehört, mich zu melden etc., weil ich ja wusste, dass ich es wusste, die Lehrer wussten es auch, die anderen auch, und als es irgendwann nur noch hiess: "Und, irgendjemand? Nicht Fräulein Brüllen?" wollte ich nicht mehr. Der Hübsche hat sich das nicht austreiben lassen --nicht umsonst hiess er während des Studiums "Das Füchsle"-- und Q. kommt ganz nach ihm) und hatte jede Menge zu sagen und Ideen zu teilen, Wir haben alls hinbekommen bis auf den Feuerlöscher, ich glaube, wir haben das Licht einfach ausgeblasen.
Q hat danach einen ganze Stapel Flyer mitgenommen und gemeint: "Ich nerve jetzt alle meine Lehrer, bis wir hier endlich mit der Schule mal hinkommen"

Danach haben wir uns noch einen Kaffee (ich) und Schokokuss gegönnt und sind dann nach Hause gelaufen. Das Konzept "Kinder für Naturwissenschaften im allgemeinen und für Pharma im speziellen und für "Komm zu uns, wir sind der best place to work" im ganz speziellen zu begeistern" ist voll und ganz aufgegangen, Q. würde heute noch bei uns anfangen.

Danke an dieser Stelle an die Organisatoren und die Unterstützung von Firmenseite, das war der Hammer heute!




* Danke furs Asyl!

Kommentare:

Sunni Schmidt hat gesagt…

Aber holla! Da hätte man ja als Erwachsener gern nochmal mitgemacht. Tolle Sache! Schade, dass ich nicht Q.`s Lehrerin bin, dann würden wir nächste Woche das Labor stürmen :-)! In meinen fast 40 Jahren mit Schülern habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass solche Dinge oder fordernde Wettbewerbe Schüler einfach sowas von begeistern, das bleibt fürs Leben! Herzlich, Sunni

Mareike hat gesagt…

Supertoll! Das hätte mir früher auch richtig Spaß gemacht!
Klasse, dass da sowas angeboten wird!

Schnuffichen hat gesagt…

Hach, sowas finde ich superst! Toll, dass Ihre Firma so dahinter steht! :)

(Als ich vor drölfzig Jahren in der Schule war, hat sich meine Mutter auch sehr bemüht, dass meine Schulklasse einmal pro Jahr Ausflüge zu den Stadtwerken macht, um die Kinder frühzeitig für eine Karriere in der Ingenieursbranche zu begeistern.

sabigleinchen hat gesagt…

Das ist einfach so cool was dein Arbeitgeber da jedes Jahr organisiert. Die Kids sind der Nachwuchs von morgen und wenn man sie schon früh genug begeistern kann, dann darf man sich irgendwann über tolle neue Mitarbeier freuen. Ich vermute ja eh, dass Q. mal eine berufliche Laufbahn in diese Richtung einschlagen wird ;).

Sigrid hat gesagt…

So muss Azubi- bzw. Mitarbeiterwerbung funktionieren.
Das ist wirklich richtig klasse.
Das kenne ich hier in und um Chemnitz so gar nicht.

Feuervogel hat gesagt…

Das hört sich nach einem großartigen Zukunftstag an. Mein Kind ist in diesem Schuljahr zum ersten Mal dabei ... vielleicht sollte ich sie dir im nächsten Jahr mal vorbeischicken. ;)
Ich könnte mir vorstellen, dass es da zum Thema Naturwissenschaft einigen Nachholbedarf gibt.
Liebe Grüße, A.

wahnsinn22 hat gesagt…

Hallo Frau Brüllen

nur eine kurze Frage: dürfen da nur Kinder hin, deren Eltern auch da arbeiten, oder ist das öffentlich?

Einer meiner Söhne war mal bei der Kantonalbank, da war - zumindest am Nachmittag - Programm ohne Eltern.

Liebe Grüsse
asty

Frau Brüllen hat gesagt…

huhu, bei uns ist das leider limitiert auf eigene kinder von mitarbeitern (fest und temporär)