Sonntag, September 10, 2017

Gemischte Platte

Wir haben gerade den Hübschen zum Flughafen gebracht bzw zum Zug zum Flughafen (ich bin kein grosser Fan der Deutschen Bahn, aber ein umso grösserer der SBB). Für ihn geht es heute abend Richtung Big Apple für einen Geschäftstermin (er kommt genau wie ich letzte Woche Mittwoch mittag schon zurück. Die Reisezeit ist trotz unterschiedlicher Strecke etwa gleich, woran man schon sehen kann, dass die Kriterien für die Standortwahl von Produktionsstandorten und Headquarters sehr unterschiedlich sind). Im Gepäck hat er nicht nur Businessklamotten und Reisegadgets, sondern auch eine ausführliche und detaillierte Shoppingliste von "das gibts nur in USA" von mir :-). Ich freue mich schon, wenn er heil wieder da ist, dann haben wir als Familie den mit Ansage sehr stressigen Septemberanfang überstanden.

Für mich heisst das einen Kinderfrühdienst ausser der Reihe, aber da ich ja schon vor dem Aufstehen und Losgehen der Kinder von daheim mit Arbeiten anfangen kann, ist das keine grosse Sache.


Ich habe ausserdem den Auftrag gefasst, die spontan etwas undicht gewordenen Lieblingssneaker des Hübschen zum Schuster zu bringen und das zum Anlass genommen, auch drei Paar Lieblingsschuhe mit schon arg abgelatschtem Absatz rauszusuchen und auch grad hinzubringen (das kommt davon, wenn man mit so extemem Fersengang unterwegs ist. Es knallt schön aber wird irgenwann schief.).


Dann habe ich mich aus gegebenem Anlass (stay tuned) mal wieder sehr darüber gewundert, wie unterschiedlich die Wahrnehmung der Geschichte der Elternblogs ist. Ich blogge, wie schon öfter erwähnt und auch in der Archivsidebar erkennbar, seit ziemlich genau 13 Jahren. Das ist eine ganz schön lange Zeit, aber ich würde nie auf die Idee  kommen, zu behaupten, damals (TM) hätte es noch keine Blogs oder Elternblog gegeben. Ich habe, bevor ich mit der Bloggerei anfing, mindestens ein Jahr andere Blogs gelesen (incl Archiv bis ganz nach hinten) und irgendwann gedacht: "Hey, das probiere ich auch mal."
Umso irritierter bin ich, wenn auf Bloggerkonferenzen BloggerInnen als "Urmutter des Bloggens" oder "Begründerin der Elternblogs" vorgestellt werden und dann bloggen die seit 2009. Oder 2005 oder 2006. Und alle haben ihr Blog begonnen, weil es "DAMALS JA NICHTS GAB". Hm. Das Logikloch sehe nicht nur ich, oder? (Aktuell bezog sich die Aussage auf die Schweizer Blogszene, aber auch da fallen mir aus dem Stegreif mindestens 10 (Eltern)Blogs ein, die es damals schon gab.
Klar, die (Eltern)Blogszene hat sich sehr verändert in den letzten 5, 10 Jahren. Das kann man finden, wie man will (ich finde es alles in allem nicht so super, man stelle sich Krückstockgefuchtel vor, aber der Satz, der vor 15 Jahren wahr war, ist es immer noch: "Was dir nicht gefällt, musst Du ja nicht lesen."), und das Mass an Kommerzialisierung oder Professionalisierung, das heute als Standard gilt, gab es damals (TM) sicher nicht. (Auch das kann man finden, wie man will).
Aber zu behaupten, damals (TM) hätte es NICHTS gegeben, das zeugt für mich von einer Mischung aus Arroganz, Ignoranz und mangelnder Recherche :-). So, Oma hat fertig von vor dem Krieg erzählt.
(Wenn Sie einen ausführlicheren, wunderbaren, Wort für Wort grossartigen Exkurs zum Thema "Bloggen, damals und heute" lessen wollen, schauen Sie bei der wunderbaren Frau Mutti vorbei. Total unabgesprochen haben sich zwei Alterstarrsinnige heute zu diese Thema ausgelassen.)


Zu guter Letzt habe ich das wöchentliche Update in Sachen Klackernägel für Sie: das Braun hat die ganze Woche ohne Macke gehalten. Ablackiert sieht man mittlerweile ca 2-3mm rausgewachsen, aber nix löst sich oder sieht doof aus. Ich habe mit Mettwurst metallic aka "Oh behave" (Amazon Affiliatelink) von Essie drüber lackiert und das sieht immer noch okay aus. Nächste Woche werde ich schon Freitag morgen ablackieren und schauen, ob ich das dann neu machen lasse.


Kommentare:

Lamentosa hat gesagt…

Also ich hab ja kein twitter mehr und derdiedas Blog still gelegt, aber darf ich hier bei der gemischten Platte mal Dampf ablassen, wenn es schon mal um Elternblogs geht? Ich kann die kaum mehr lesen (Ausnahmen gibt es, wie dieser Kommentar hier beweist). Es ist nur noch: Werbung, Erziehungsklugschiss oder pastellfarbige Spielsachen in ebensolchen Räumen. Früher war es bunter, lustiger, weniger ernst, ehrlicher.
Bin schon wieder still.
Schön, dass es dich noch gibt!

Kruemel hat gesagt…

Guten Tag Frau Brüllen,

wie auch bei Frau.. äh.. Mutti.. kommentiert, ich mag Ihre Art zu schreiben und mag es nicht missen manches mal im Archiv zu stöbern. Danke dafür!

jademond hat gesagt…

Ich mag euer Krückstockgefuchtel ja gerne lesen. Als Bloggeromakollegin kommt mir das alles bekannt vor. Allerdings kann ich mich gar nicht erinnern, wann ich das erste mal wirklich Elternthemen in Blogs gelesen habe. Meine Blase war zuerst die finnisch-englisch-amerikanische Mailartszene (wo wir natürlich auch andere Themen hatten), dann die deutsche Strickerinnen- und Stemplerinnenblase und dann erst kamen nach und nach die Elternthemen.

Christian Fischer hat gesagt…

Haha, dann hebe ich doch mal den Rollator …
Bin ja vollkommen dabei, dass ich es seltsam finde, wenn sog. „Urgesteine von 2006“ erwähnt werden.
Aber naja, als ich 2001 anfing und mein Blog „halt noch so’n Blog“ nannte (denn da gabs ja auch schon andere) da haben wir natürlich noch nicht so schön in Nischen gebloggt. Ob Eltern- oder Näh-, ob Strick oder Crafting-Blog – das gabs ja alles noch nicht. Aber vielleicht brauchen Menschen heute das, damit sie nicht von Vielfalt irritiert sind?

Wir haben halt nur für uns geschrieben und oft jeden neuen Leser und jedes Blog persönlich begrüßt. Im Ergebnis ist übrigens dreiviertel meines Herzens-Freundeskreises aus eben diesen Bloggern rekrutiert.

Und wenn ich daran denke, wie wir damals diskutierten, ob man ein werbebanner im Blog schalten könnte, ohne die Credibility zu verlieren …
… ach naja, so lange mit dem Rollator zu fuchteln ist ja auch anstrengend.

Aber deswegen mag ich ehrlich gesagt viele dieser neuen Blogs gar nicht so arg und bin unter anderem gern hier. Muss ja auch mal gesagt sein.

Judith Balzien hat gesagt…

Und wer sie nach Mettwurst-metallic immer noch nicht liebt, ist selber Schuld!