Dienstag, Juni 30, 2009

Fremdbetreuung leichtgemacht

Ich muss jetzt endlich mal ein Loblied auf unsere Kinderkrippe schreiben.
Sie ist in einem alten zweistöckigem Haus mit grossem Garten (incl. Spielgeräten, jeder Menge Bobbycars, schattigen Tischen fürs Mittagessen draussen, und bei Hitze einem grossen Planschbecken).
Es gibt aktuell drei Gruppen, zwei altersgemischte von 3 Monaten bis ca. 5,6 Jahren und eine Schülergruppe für die bis 12jährigen.
Jede Gruppe hat ein Stockwerk mit Badezimmer, WC, Schlafzimmer, Esszimmer und Spielzimmer. Für alle gemeinsam gibt es dann noch den Keller, der als "Gumpizimmer" bei schlechtem Wetter oder als Bastelraum genutzt wird. Pro Tag sind pro Gruppe maximal 10 Kinder da bei drei Betreuungspersonen (1 vollausgebildete Kleinkinderzieherin, eine Lehrtochter, 1 Praktikantin). Für Engpässe gibt es noch eine Springerin und eine Köchin, die extrem lecker und auch gesund kocht (an Geburtstagen darf man sich ein Wunschmenü wünschen, da gibt es dann auch mal Pommes und Chickennuggets), bäckt etc. Wenn die Kinder möchten, dürfen sie mithelfen bei Kochen und Einkaufen.
Es wird irrsinnig viel unternommen: gesungen, gemalt, gebastelt, geschminkt, Ausflüge (als es im Winter hier so scheusslich war, haben sie einfach mal eine lange Tour mit dem Bus unternommen), Feste werden gefeiert, man nimmt am örtlichen Fasnachtsumzug teil, die Schülergruppe fährt im Sommer für eine Woche in ein selbergeplantes Lager etc..
Was ich extrem sympathisch finde, ist, dass die strittigen Erziehungspunkte extrem undogmatisch gehandhabt werden:
jedes Kind darf zwei Lebensmittel angeben, die es gar nicht mag, die müssen dann nicht mal probiert werden. Ansonsten gilt beim Essen die Devise: probiert wird alles, und entweder Gemüse oder Salat sollten gegessen werden.
Grundregeln des Anstands werden offensichtlich vermittelt (so fragt Little Q. auch bei uns daheim immer, ob er aufstehen darf, wenn er vor uns mit Essen fertig ist).
Jedes Kind hat seine "Ämtli" wie Tischdecken, Getränke eingiessen, abräumen etc..
Es gibt an sich gesundes Essen (Obst, Vollkorncracker, Gemüsesticks als Zischenmahlzeit), aber eben auch mal ein Eis, wenn es superheiss ist.
Nach dem Essen wird kollektiv zähnegeputzt.
Zum Mittagsschlaf wird niemand gezwungen, niemand muss allein weinend einschlafen, es werden Schlaflieder gesungen bis Ruhe ist.
Um Sonnenschutz muss man sich keine Gedanken machen: es gibt Sonnenhüte für alle und eingecremt wird, so man keine Sonderwünsche hat, mit einer allgemeinen Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor.
Das Thema Trockenwerden (wir haben es in dieser Krippe ja nicht miterlebt, weil Little Q. gerade schon trocken war, als er dort einen Platz bekam) wird laut Little Q.s Erzählungen sehr nett vermittelt: es gib wohl den Zauberer Windelputz, der bei jedem erfolgreichen Toilettengang Aufkleber verteilt...
Für die berufstätigen Eltern sehr angenehm: zwischen 7:00h und 7:30h bekommen die Kinder auch Frühstück, man kann nach Vorankündigung auch an Tagen ausser der Reihe das Kind bringen (einen Tag im Quartal sogar umsonst), auch Tage tauschen geht.
Warum ich das heute alles schreibe? Zum einen, weil ich erfahren habe, dass der Platz, der für Little L. gedacht ist, von August bis Oktober, wenn wir ihn brauchen, ganz ohne Reservierungsgebühr für uns freigehalten wird. Zum anderen, weil ich erfahren habe, dass das Konzept der altersgemischten gruppen zum Januar aufgegeben wird. Es wird eine Buschigruppe (bis 3 Jahre) geben, eine für die 3-5Jährigen und eben die Schülergruppe. Ich hoffe sehr, dass trotzdem alles so gut bleibt, wie es jetzt ist.
(BTW: und das auf einem kleinen Dorf (okay, ein bisschen Schlafstadt für Basel ist es hier schon). Und gar nicht mal soooo teuer. In Basel haben wir mehr bezahlt)

Kommentare:

feuervogel hat gesagt…

Ich seufze jetzt. Lang und traurig. Hört sich an wie im Paradies. :o/

VerflixteWelt hat gesagt…

Hört sich schon schön an...mir gefällt vor allem das mit den Sonnenhüten für alle.
Was ich nicht gut finde, ist, dass entweder Salat oder Gemüse gegessen werden müssen. (was passiert denn, wenn das betreffende Kind mehr als die zwei Frei-nicht-mag-Sachen nicht mag?)
Ich drücke Ihnen mal die Daumen, dass alles so schön bleibt, trotz der Umstrukturierung, die ich auch schade fände (die aber sicher auch Vorteile bringt, wird ja nicht unüberlegt geschehen).
lieben Gruß, Dani

Das kleine Brüllen hat gesagt…

naja, ganz so streng ist es ja auch wieder nicht. es wird keinem was reingezwungen. Aber anscheinend wirken AUssagen wie "Jetzt hast du schon den SPinat nicht gegessen, willst du nicht wenigstens den Salat essen?" Wunder ;-)

Toschka hat gesagt…

Klingt für mich auch paradiesisch, besonders, was das Essen betrifft. Im Kindergarten meines Sohnes wird gar nicht gekocht, sondern alles von einer Menüküche geliefert. Jeden Tag gibt es Essen mit Zusatzstoffen von Geschmacksverstärkern über Farbstoffen und so weiter... Das find ich sooo bescheiden...

VerflixteWelt hat gesagt…

Frau Brüllen: "naja, ganz so streng ist es ja auch wieder nicht. es wird keinem was reingezwungen. Aber anscheinend wirken AUssagen wie "Jetzt hast du schon den SPinat nicht gegessen, willst du nicht wenigstens den Salat essen?" Wunder ;-)"

Na, dann schließ ich mich den Anderen neidisch guckenden hier doch mal an (obwohl ich die kita, in die mein Großer geht, und in die der Kleine bald kommt, auch super finde-naja, fast super;))