Samstag, August 29, 2015

Kaffee!

Nachdem heute Little Q. die zweite Nacht in Folge wegen Alpträumen und tralalala zu uns kam und ich ihn dann nach langem Wachliegen wieder zurückverfrachtet habe und dann morgens um halb sieben von seinem kleinen Bruder geweckt wurde "Little Q. hat seinen Affen bei euch vergessen, ich hol den mal ab" und heute den ganzen Tag so verkatert unterwegs war, als hätte ich drei Tage durchgefeiert, bin ich mehr denn je verwundert, wie ich die richtig fiesen Schlafentzugzeiten aka bis vor zwei Jahren oder so hinbekommen habe, ohne durchzudrehen, beim Job mit dem Kopf auf den Tisch zu knallen oder im Auto irgendwann einzuschlafen.
Ich bin sehr froh, dass Little Q. (bis vor ein paar Tagen) auf dem Weg zu einem normalen Teenager, der abends bis in die Puppen aufbleiben will und morgens nicht aus den Federn kommt, ist, dass Little L., wenn Wachstumsschmerzen, Vollmond, Neumond, Halbmond, Decke weg, Decke falsch, Freddy Fledermaus weg, Sack Reis in China keinen Strich durch die Rechnung machen, auch ganz gut schläft. Auch ohne kindliche Unterstützung schaffe ich es nämlich kaum noch, eine Nacht ansatzweise durchzuschlafen. Da die Nächte bei mir eh maximal sechs Stunden dauern, ist es nicht direkt hilfreich, wenn man wegen Gedankenkarrussell und schnarchendem Mann nicht einschlafen kann, wenn man wegen dringenden Gedanken wieder aufwacht und dann eh auch gleich der Wecker läutet, so dass sich nochmal Umdrehen gar nicht lohnt.

Heute haben wir es so gemacht, wie man es ja als Frischlingseltern machen soll: sobald das Kind schläft, selber schlafen. Die Kinder schafen natürlich nicht, waren aber heute nachmittag bei den Pfadis (und sind vielleicht heute Nacht müd genug) und so habe ich das Traumwetter Traumwetter sein lassen (ich hätte jetzt eh gern Herbst) und zwei Stunden Schlaf nachgeholt. Herrlisch!

Ach ja: ich glaube übrigens nicht, dass Little Q.s Nachaktivität am neuen Pyjama liegt, den ich noch in der kinderfreien Woche nach einem alten Ottobreschnitt zugeschnitten und jetzt erst fertig genäht habe.


Freitag, August 28, 2015

TGIF

Der Tag startet früh, nämlich um 3:21 mit einem alptraumgeplagten Little Q.. Ja. Q., der 10jährige, über 1.40m grosse und irgendwie so knapp 35kg schwere Little Q. Das hat jetzt natürlich nix damit zu tun, dass man nachts keine Alpträume mehr haben darf oder nicht zum keine Angst mehr haben ins Elternbett kommen darf, aber sagen wir so: mit einem so grossen Gast wirds da eng. Sehr eng.
Ich habe ihn also nach einer Stunde mehr oder weniger Wachliegen wieder in sein Bett (bzw. das von Little L., die beiden teilen sich das breite Stockbettunterteil im Moment) gebracht und dann war ja auch schon fast Aufstehzeit....
Freitag ist ja jetzt mein Homeofficetag, d.h. ich habe am Küchentisch anstatt im Büro mit Jeans, T-Shirt und barfuss, mit exzellentem Latte Macchiato anstatt Bürovollautomatenkaffee Präsentationen bearbeitet, Strategien und Optionen ausgearbeitet, Dokumente mit Irland und USA abgeglichen, historische Daten gesucht und gefunden, genau wie sonst auch bei der Arbeit. Nur mit Katze.

Am Nachmittag hatten wir dann 10Jahreskontrolle beim Kinderarzt. An sich ist mit Little Q. ja alles super, nur seine Spritzenpanik sorgte dafür, dass die Kontrolle nicht ganz so easypeasy verlief wie eigentlich angebracht. Er hat es dann aber tatsächlich hingekriegt, die Zähne zusammenzubeissen für die dritte FSME-Impfung, die nächsten gibt es dann bei der 14-Jahreskontrolle. Mal sehen, ob der dann immer noch auf meinem Schoss sitzen will zum Impfen. Ansonsten: alles gut, er braucht immer noch keine Brille.

Beim Abliefern von Little L. beim Unihockeytraining habe ich dann festgestellt, dass ich als Rabenmutter gar nicht wusste, dass anlässlich der Eröffnung des Supadupamegastores vor unserer Haustür dort heute Marco Streller Autogramme gab. Nun, ich gehe davon aus, dass die Jungs das nicht wirklich schlimm fanden, ihre Reaktion auf die begeisterten Berichte ihrer Kollegen waren eher so "Marco wer?" (Wenn Little Q. dann nochmal in der Öffentlichkeit wiederholt, dass er sich auf gar keinen Fall einbürgern lassen will, weil er ist ein Bayer und er würde nie Bürger eines Landes ohne einen einzigen gescheiten Fussballverein werden, FC Bayern forever", dann werden wir vermutlich ausgewiesen.

Und insofern passt gut ins Bild, dass ich beschlossen habe, dieses Jahr zum ersten Mal seitdem wir hier im Dorf wohnen, das Römerfest dieses Wochenende zu schwänzen. Nicht nur, weil ich vergessen habe, verbilligte Einwohnerkarten bei der Gemeinde zu holen, ich sehe das Vergessen eher als Symptom der Übersättigung ;-)

Jetzt: Rose und endlich House of Cards!

Donnerstag, August 27, 2015

Bustrick

Kennen Sie den Bustrick? Ich habe letztens, als ich das Wort während einer Mitarbeiterinformationsveranstaltung in einem vollbesetzten Auditorium ganz selbstverständlich in den Raum warf, nur verständnislose Blicke geerntet (genau wie bei der Erwähnung von „Unterzungenspeichel“, aber das ist eine andere Geschichte) und habe den Eindruck, da besteht noch ein wenig Informationsbedarf.
 
Also: der „Bustrick“ heisst „Bustrick“, weil man ihn vor allem auf Klassenreisen und –exkursionen in Reisebussen anwendet. Mir ist er das erste Mal auf einer Exkursion des Vertiefungsfaches „Katalyse und Reaktionstechnik“ zu einer Firma in Ludwigshafen nahegebracht worden und zwar funktioniert er so:
 
Wenn der Passagier vor einem in einem Bus (Bustrick, you know?) sich wegen langer Fahrt und unbequem und zu lang stillgesessen räkelt und dabei beide Arme über den Kopf streckt, packt man die von hinten und zieht sie nach hinten. Wie überall scheiden sich wieder Amateure von Profi-Bustrickanwendern: es geht nicht darum, jemandem die Oberarme zu brechen oder die Ellbogen oder Schultern auszukugeln, nein, es reicht, die Unterarme sanft zu umfassen und leicht nach hinten zu ziehen, es reicht eigentlich auch schon, sie einfach festzuhalten. Ziel des Bustricks ist es, das total perplexe Gesicht des Getricksten zu geniessen, der im wahrsten Sinne des Wortes aus seiner Komfortzone geschleudert wird. Es ist nämlich gar nicht so leicht, sich mit nach oben gestreckten Armen im Sitzen wieder zu befreien, auch wenn die Gelenke noch an Ort und Stelle sind.
 
Erfahrene Bustrickanwender fahren übrigens in der letzten Reihe oder strecken sich nicht nach oben. Auf die Anwendung des Bustricks auf Fahrer sollte man übrigens verzichten.
 
Allerdings gibt es natürlich durchaus kreative Interpretationen des Bustricks, er ist nahezu universell einsetzbar: gerne in exzessiven Mitarbeiterinformationsveranstaltungen in (da geht’s besonders gut) Hörsaalbestuhlung oder auch, das ist eine sehr fiese Anwendung, in Achterbahnen. Getestet für Sie an mir im Europapark: man räkelt sich in richtigen Achterbahnen zwar selten vor Verspannung, aber wenn man von Mitfahrern dazu überredet wird, sich nicht am Sicherungsbügel festzuklammern, sondern die Arme, juhuuuu, hoch in die Luft zu strecken und dann kommt jemand von hinten mit der Achterbahnvariante des Bustricks: ja. Das ist Adrenalin pur. Allerdings sollten sich das nur erfahrene Bustrickser trauen, in einer ruckligen Achterbahn sind schnell Arme ausgekugelt oder abgerissen.

Mittwoch, August 26, 2015

Vergessen: Tradition und so

Ich habe es ehrlich und in echt vergessen: das ungetragene Foto von Little Q.s 10-Jahres-Geburtstagsshirt.
Aber: es gibt ja die Fotos vom Morgen, bevor wir zum Europapark, pardon, Alpamare aufgebrochen sind und da war es ja noch wie neu ;-)
In Remineszenz an den im Blog meistgesuchten Kindergeburtstag (ich persönlich fand die Harry-Potter-Party am coolsten, gefolgt von der Star-Wars-Ralley) hat sich das grosse Kind ein Ninja-Shirt gewünscht. In nicht ganz so bunt.




Mal sehen, ob es nächstes Jahr noch ein Zahlenshirt geben wird ;-)

Dienstag, August 25, 2015

Katalogmodels

Heute waren wir abends bei Ikea einkaufen, weil unsere neue Putzfrau einen Bilderrahmen zerschmissen hat (Sie lesen hoffensichtlich den positiven Unterton raus: Wir haben wieder ein Putzfrau! Es war nur ein nicht richtig teurer Rahmen und das Bild ist noch ganz!) und essen müssen wir auch, warum also nicht Köttbullar (gibts jetzt sogar in Poulet und Vegi, allerdings war das dazugehörige Gewürzpilaw schon aus).
Auf dem Weg vom Restaurant zur Bilderrahmenabteilung (vorbei an den Küchensachen, wo es jetzt echt praktisch wirkende Znüniboxen -Mist, ich war zu schnell, ich hab die Salatbox gar nicht gesehen....- gibt) sah Little L. eine Art Fotostudio aufgebaut und hat uns überredet (Sie kennen das? "Ich will unbedingt, aber nicht allein!") uns als Ikea-Familie fotografieren zu lassen. Die haben das ratzfatz gemacht, Little L. konnte sich noch nicht mal ausreichend einen Überblick über die Szene verschaffen, um die Dekowaffeln anzulecken, da waren wir schon auf dem Cover. Nach einem langen Tag, ungestyled, aber hey: authentisch!
Das Ganze wurde dann direkt ausgedruckt und auf einen Katalog geklebt.
Eigentlich sollte man hier die Bilder auch runterladen können, aber irgendwie sind unsere nicht (noch nicht?) da, ich werde da morgen mal nachschauen, ob da noch was geht.



Nachtrag: geht doch!

The Prozacs on IKEA

Montag, August 24, 2015

Nachtrag #bloggerfuerfluechtlinge

Vielen Dank fuer das Feedback zum Artikel gestern auf allen Kanaelen.
Ich habe nun eine Annahmestelle fuer Sachspenden hier in Basel gefunden und zwar den OeSA direkt im Erstempfangszentrum.
Laut Auskunft der Dame, mit der ich heute gesprochen habe, leiden sie an Platzmangel, weswegen ich empfehlen wuerde, vorher kurz anzurufen und zu fragen, was sie gerade dringend brauchen.
Aktuell sind das:

  • Kinderkleider, aber nicht fuer Babies, da sind sie im Moment gut versorgt
  • Erwachsenenkleider, v.a. fuer Maenner und da besonders schmale Groessen ("Die meisten, die kommen, sind so ausgezehrt, die verschwinden in den meisten Kleidern")
  • Schuhe
  • und Koffer, Reisetaschen, Trolleys ("Oft haben sie nur Plastiktueten").


Ich habe zwar den Kinderkleiderschrank erst kuerzlich ausgemistet, aber in anderen Schraenken waren zB noch Schneeanzuege, Winterschuhe, Hallenturnschuhe, die wie neu aussehen, aber allen im Haus zu klein sind, Regenjacken, und fuer Erwachsene Wollpullis, Winterjacken, Fleecejacken und auch das eine oder andere Paar Schuhe zu finden. Ausserdem habe ich zwei Trolleys ausgemustert.
Ich wasche jetzt alles noch einmal durch, weil die Kleider direkt ausgegeben werden und sobald alles wieder trocken ist, bringe ich es vorbei.

(Und ja, als ich die Winter- und Uebergangsjacken eingepackt habe, musste ich dran denken, dass es genuegend Leute gibt, die den zukuenftigen Besitzern dann diese Markenkleider vorhalten werden, ohne zu ueberlegen, wo die wohl herkommen koennten.....)

Was ich uebrigens auch eine grossartige Aktion finde, ist "Mini Decki", eine Aktion, auf die mich Sabigleinchen hingewiesen hat: Fuer Kinder werden handgenaehte Decken genaeht und in den Erstaufnahmestellen verteilt. Diese Aktion ist mittlerweile auch nach Deutschland und Oesterreich uebergeschwappt, wer also Decken naehen mag, vielleicht auch Schulklassen als Handarbeitsprojekt?, das waere doch eine tolle Sache!

Sonntag, August 23, 2015

Was tun? Was tun! #bloggerfuerfluechtlinge

Ich muss gestehen, hier im Schweizer Speckgürtel bekommt man (oder nur ich? Schaue ich nicht richtig?) von den aktuellen Flüchtlingsdramen erstaunlich wenig hautnah mit.
Über meine Twittertimeline, Nachrichten und erschütternde Blogeinträge wie diesen hier wird die dramatische Situation mit allen hässlichen Nebenwirkungen aber doch auch in die scheinbar heile Welt hier gespült.

Letztens hat ein ein Exkollege beim Essen ausgeholt und erklärt, dass Deutschland schon sehen würde, was sie sich damit einfangen, dass sie alle reinlassen, die nur ankämen und mal ehrlich, wie schwer wäre es denn, ein paar km übers Mittelmeer zu paddeln oder 3km über die türkische Grenze zu wandern, die sollen sich alle mal nicht so haben.
Ich habe einmal kurz die Augen geschlossen, den Kopf geschüttelt und gefragt, ob er sich eigentlich zuhört, was er da von sich gibt. Ob er glaubt, dass Familien sich auf die ungewisse und gefährliche Flucht ins Ungewisse machen, alles hinter sich lassen, riskieren, von ihren Eltern, Kindern und Verwandten für immer getrennt zu werden, ihr Leben riskieren, und all das nur, weil sie zu Hause die Krankenkasse nicht die Zahnspangenfarbe auswählen lässt? Oder ob er sich in seinem sicheren Schweizer Eigenheim vielleicht nicht vorstellen kann, dass es gravierendere Probleme gibt, als die Nachbarn, die ihre Hecke nicht ordnungsgemäss stutzen?
Ich hatte ja ein bisschen befürchtet, mit dieser Meinung die einzige an de recht konservativ besetzten Tisch zu sein (nicht, dass das was an meiner Haltung geändert hätte), und insofern war es dann, so schockierend die auslösenden Stamtischparolen waren, doch gewissermassen beruhigend, dass die anderen Stimmen ähnlich wie meine klangen.

Ich habe heute lange mit meiner Mutter telefoniert, unter anderem nachgefragt, wie die Situation in meinem bayerischen Heimatdorf ist (klein, eigenbrötlerisch, konservativ, wer kürzer als 15 Generationen dort lebt, ist immer noch neu): es kommen demnächst 16 Syrer, die in Reihenhäusern etwas ausserhalb untergebracht werden. Es haben sich schon über 30 Freiwillige zur Unterstützung gemeldet und die Hauptsorge meiner Mutter ist, wie weit die Kinder von dort zur Schule laufen müssen und dass die Häuser nicht sonderlich gut gegen den Lärm der nahen Bundesstrasse geschützt sind. (Von meiner Schwiegermutter weiss ich, dass sie schon lange bei sich im Dorf ehrenamtlich Deutschunterricht für Flüchtlinge gibt, was ich ganz ganz grossartig finde.)
Dann habe ich noch nachgefragt, wie das damals genau war, als meine Grosseltern aus dem Böhmerwald geflüchtet sind/vertrieben wurden, wie sie damals untergebracht wurden, was zwischen den dramatischen, beim Kaffeetrinken immer wieder erzählten Geschichten vom Schmuggeln über die Grenze und dem Ansiedeln in den Häusern, die der Papierfabrikbesitzer extra für die Flüchtlinge aus dem Osten bauen liess, passiert ist. Leider sind die meisten Unterlagen und Fotos mittlerweile verschwunden, meine Grosseltern leben schon lange nicht mehr und ich möchte, dass ich meinen Kindern weitergeben kann, dass ihre Vorfahren damals als arme Flüchtlinge kamen und auf Unterstützung angewiesen waren.

Der Aufruf von Stevan Paul und Bloggerkollegen zur Aktion #bloggerfuerfluechtlinge hat mich heute dann den ganzen Tag beschäftigt. Als Übersprungshandlung habe ich für "Ärzte ohne Grenzen" gespendet, die im Mittelmeer, in Syrien, im Libanon und ganz aktuell an der mazedonischen Grenze Flüchtlingen helfen. Dann sind mir die Kisten mit ausgemusterten Spielsachen ("Hmmm, könnten wir vielleicht mal in den Kindergarten bringen") und zu klein gewordenen Kleidern und Schuhen auf dem Speicher eingefallen und mein Kleiderschrank, der überquillt und einiges an "absolut in Ordnung, aber ich ziehe es nicht an" beinhaltet, eingefallen und ich habe mich auf die Suche nach lokalen Möglichkeiten für Sachspenden gemacht. Erstaunlicherweise finde ich für die Schweiz keine Möglichkeiten, eben solche Sachspenden loszuwerden, vielleicht stelle ich mich auch nur doof an, aber das ist ja das praktische hier im Dreiländereck: mit einem kleinen Umweg fahre ich über Deutschland von der Arbeit nach Hause und so werde ich morgen mal beim "Freundeskreis Asyl" in Lörrach anfragen, ob sie damit etwas anfangen können und wie ich sonst helfen kann.

Also: wem es ähnlich geht, wer auch nicht nur tatenlos zusehen möchte: tut was! Und wenn es "nur" eine Spende an eine helfende Organisation wie zB den Verein "Moabit hilft" ist, das geht vom Sofa aus und ist besser als nix. Denke ich.