Mittwoch, Mai 04, 2016

Irgendeiner heult immer

Wir wohnen hier in einer Neubausiedlung (gebaut wurde unsre Zeile vor über 10 Jahren, aber ich nehme mal an, auf dem Schweizer Land ist es genauso wie daheim in Bayern: meine Mutter ist auch nach 38 Jahren im Ort noch eine von den Zuagroastn, also: "Neubausiedlung") mit, wie es da halt so ist, unglaublich vielen Familien mit Kindern um uns rum. Deswegen ist es eigentlich nie leise, untertags* wird draussen gejohlt, gerufen, gelacht, geschrien und immer auch mal geweint. Das ist ganz normal, meistens wird geweint wegen beim Rennen hingefallen, Schaufel am Sandkasten weggenommen, "NIEDARFICHAUFDIESCHAUKEL", blöd angeschaut werden, falsch vom Keks abgebissen, Paninibildchen abgezockt worden, man muss raus an die frische Luft, man muss schon rein, obwohl alle anderen noch draussen sind, nie kriegt man ein Eis, die anderen schiessen mit extra kaltem Wasser bei der Wasserschlacht, alles also mitteldramatisch.
Gestern abend sass ich oben unter dem Dach bei geöffnetem Gaubenfenster und habe den Blogeintrag getippt, draussen war grade ein Sturzregen vorbei, es war schon nach 20:00h, d.h. die kleinen Heuler waren alle im Haus (nicht, dass man da nicht auch für alle hörbar heulen könnte, wegen Schaum ins Auge, schon wieder Zähneputzen, ich hab doch erst gestern, nie darf ich Pommes mit Nutella zum Abendessen etc.), es war echt sehr ruhig. Während ich aber so vor mich hintippte, nahm ich auf einmal wahr, dass aber doch ein Weinen durchs Fenster kam. Ein sehr lang andauerndes Weinen, kein wütendes Kreischen, das auf ausserplanmässiges Haarewaschen MIT SHAMPOO hindeutet, sondern eher ein leiseres, verzweifeltes. Ich schaute aus dem Fenster: nix. Naja, nicht umsonst lebt man auf dem Dorf in einer NSA-artig selbstüberwachten Nachabrschaft, da kann man für den Ruf ja auch was tun, ich habe also schnell Schuhe übergezogen und bin rausgegangen, immer dem Heulen hinterher und habe mit ... ich weiss nicht, einer zerrissenen Hose, einem verlorenen Fussball, einem platten Reifen am Fahrrad oder einer gemeinen vermeintlichen Freundin gerechnet. Was ich aber fand, war ein Kind aus dem Nachbarweg, das in Fussballklamotten neben einen umgestürzten Fahhrrad auf dem nassen Boden lag und schluchzte. Ich dachte erst an einen Radunfall und wollte schon mit triagieren beginnen (kein Helm: nicht gut, kein Blut: ganz gut, Kind heult: auch gut), aber nein: der Junge erzählte mir schluchzend, dass er von grösseren auf dem Heimweg vom Training abgepasst worden wäre, vom Rad geschubst, geschlagen und getreten worden wäre. Ich sah dann auch schon seine verschrammte Wange und das angeschwollene rote Ohr, er hielt sich die Rippen und weinte, weinte, weinte. Er wollte sich nicht nach Hause begleiten lassen (auch wenn man immer drüber lächelt und Augen rollt, dass man mit den Kindern anscheinend seine eigene Identität verliert und nur noch als "Mama oder Papa von xy" referenziert wird: in so einem Fall hilft das. Die Kinder lernen ja zu recht, keinem Fremden oder Unbekannten zu trauen, da baut "Du bist doch der xy, wir wohnen einen Weg weiter, ich bin die Mama von Q. und L." ein gewisses Vertrauen auf, und sei es nur, sich in den Arm nehmen zu lassen und ein bisschen Trost anzunehmen.), weil seine Mutter eh schon auf dem Weg wäre (sie hatte ihn, als er vom Training nicht nach Hause kam, auf dem Handy angerufen). So sass ich dann eine Zeitlang mit einem schluchzenden, nassen 12jährigen im Arm auf dem Weg, ich konnte ihn da ja nicht einfach sitzen lassen. Leider konnte ich der fassungslosen Mutterdann auch nicht helfen, weil ich ja nichts gesehen hatte. Immerhin wusste der Junge, wer ihn angegriffen hat und der Plan "Wir holen jetzt den Papa und dann gehen wir zu denen nach Hause" klang ganz gut.

So viel zur Dorfidylle....ich könnte mir in den Bauch beissen, dass mein Kinderheulfilter mich so weit hat abstumpfen lassen, dass ich so lange gewartet habe.

*Abends sieht es mittlerweile anders aus: die erste Generation Kinder, die hier miteingezogen sind, als die Häuser wirklich noch neu waren, sind jetzt im allerbesten Teeniealter. Man kennt das: da steht man mit Einbruch der Dämmerung so rum. Und Gruppen, nach strengen, nach aussen unersichtlichen Kriterien sortiert. Letztens bin ich mit Little Q. an solchen Trüppchen vorbeimarschiert und meinte so: "Schau, Q., in vier Jahren oder so, da stehst Du dann mit Deinen Freunden so vorne am Weg rum und stehst da halt so." Er hat mich mit diesem unvergleichlichen Blick und dem Ding mit den Augenbrauen angeschaut und erst gemeint: "4 Jahre? Mami, die da vorne sind in der 5. und 6. Das wäre dann für uns ab Sommer. Kannste dich jetzt schon mal drauf einstellen." Und dann diesen wunderbaren Spruch gebracht:

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Dienstag, Mai 03, 2016

Telefonscherz?

Gestern abend klingelt das Festnetztelefon, es ist eine deutsche Nummer. Eine junge Frau mit perfekt hochdeutscher Aussprache ist dran.
Junge Frau: "Schönen guten Abend, ich rufe im Auftrag der Stadt an, wir machen eine kurze Telefonumfrage zum Einkaufsverhalten unserer Bürger. Haben Sie zwei Minuten?"
Frau Brüllen: "Äh. Welche Stadt denn?"
JF: "Na, Rheinfelden* natürlich."
FB: "Ja. Also. Wir wohnen aber gar nicht in Rheinfelden."
JF: "Oh, dann entschuldigen Sie die Störung, schönen Abend noch."

Nach dem Anruf war ich etwas perplex, ich dachte mir: die muss doch gemerkt haben, dass sie in der Schweiz anruft. Zum Beispiel bei der 0041-Vorwahl. Komisch.

Eine Stunde später, ich bringe grade Little L. ins Bett, klingelt das Telefon wieder. Das habe ich ja immer noch gefressen ohne Ende. Auch wenn die Einschlafdramen hier vorbei sind, ich finde trotzdem, dass sich jeder hier einen Anruf zwischen halb acht und halb neun verkneifen kann. Entweder bin ich grad dabei, zu rotieren und die Kinder durchs Bad ins Bett zu schleusen und das Tageschaos aufzuräumen, oder jemand schläft gerade ein, ich möchte auf gar keinen Fall mit irgendjemandem sprechen. Gut, das konnte die neue junge Frau mit der deutschen Vorwahl ja nicht wissen.

Junge Frau: "Schönen guten Abend, ich rufe im Auftrag der Stadt Rheinfelden an, wir machen eine kurze Telefonumfrage zum Einkaufsverhalten unserer Bürger."
FB: "Wir haben doch grad vorher telefoniert?!"
JF: "Nein, das war dann wohl meine Kollegin. Also. Es wurde festgestellt, dass immer mehr Bürger aus der Region.."
FB: "Moment. Ich habe Ihrer Kollegin vorher gesagt, dass ich gar nicht in Rheinfelden wohne."
JF: "Ja, das macht nichts. Es geht auch schnell. Also. Es wurde festgestellt..."
FB: "Moment. Ich habe ehrlich gesagt weder Zeit noch Lust auf eine Telefonumfrage."
JF: "Es geht auch nur eine Minute."
FB: "Grad vorher hiess es schon zwei Minuten und ich mag überhaupt nicht, weder eine noch zwei, noch jemals. Könnten Sie das bitte so aufschreiben und hier nie wieder anrufen?"
JF: "Aber es geht doch ganz .."
 Und dann habe ich aufgelegt.

Heute beim Abendessen machen läutete das Telefon schon wieder, deutsche Nummer, junge Frau dran:
JF: "Schönen guten Abend, ich rufe im Auftrag der Stadt Rheinfelden an, wir machen eine kurze Telefonumfrage zum Einkaufsverhalten unserer Bürger."
FB: "Ja. Also. Ich habe gestern schon mit zwei Ihrer Kolleginnen gesprochen. Erstens: ich wohne nicht in Rheinfelden. Zweitens: ich wohne in der Schweiz. Drittens: ich habe keine Lust auf eine Telefonumfrage, auch nicht für eine Minute. Ich habe Ihrer Kollegin gestern gesagt, sie soll aufschreiben, dass hier nienienie mehr jemand von Ihnen anruft."
JF: "Ah, hier steht nichts."
FB: "Ja, schade. Dann schreiben Sie das doch jetzt bitte auf."
JF: "Okay, mache ich, entschuldigen Sie die Störung. Aber eine Sache hätte ich noch: wir rufen im Auftrag des Schweizer Rheinfelden an."
FB: "Okay, das erklärt immerhin, warum Sie sich bei der Ländervorwahl nicht wundern. Aber ich mag trotzdem nicht. SCHREIBEN SIE AUF: FRAU BRÜLLEN WILL KEINE UMFRAGE MACHEN!!!"

10 Minuten später: Telefon läutet, deutsche Nummer, junge Frau auf Hochdeutsch:
JF: "Schönen guten Abend, ich rufe im Auftrag der Stadt Rheinfelden in der Schweiz an, wir machen eine kurze Telefonumfrage zum Einkaufsverhalten unserer Bürger. Wir haben festgestellt, dass immer mehr Bürger der Region...
FB: "Moment. Ganz ehrlich, ich glaube langsam, Sie veräppeln mich. Sie sind jetzt die vierte, die mich mit dieser blöden Umfrage anruft. Ich habe von vornherein gesagt, dass ich nicht möchte und langsam finde ich das wirklich eine Unverschämtheit. Ich weiss, auch wenn Ihre Stimme genauso klingt, wie die der letzten drei, sind Sie vermutlich eine eigenständige Person und können nichts dafür, dass Ihre Kolleginnen das nicht aufgeschrieben haben, aber mir langts jetzt einfach."



Ich bin jetzt sehr gespannt, ob noch ein Anruf kommt, dann würde ich mir, glaube ich, mal den/die Vorgesetzte(n) geben lassen oder aber fragen, warum die Stadt Rheinfelden, die damit zu kämpfen hat, dass alle im deutschen Rheinfelden, die nur über den Rhein ist, und wo alles ungefähr 50% günstiger ist, einkaufen gehen, nun ein deutsches Callcenter/Meinungsumfragedings beauftragt, um rauszufinden, woran das liegt.
Oder aber, ob sich da einfach eine (die Stimmen klangen sehr gleich) junge Dame einfach einen Spass macht (immerhin hat sie alle meine Rückfragen beim nächsten Anruf in den ersten Satz mit eingebaut).

Und ja. Natürlich hätte ich ihr/ihnen längst Rede und Antwort stehen können und sagen, dass man in Rheinfelden /CH nicht gescheit parken kann, dass es nur überteuerte Chichi-Geschäfte oder altmodische Oberbekleidungsläden gibt, dass es keine Bäckerei/Cafe/Eisdiele in der Stadt gibt und dass eben 100 m weiter all das für einen Bruchteil des Geldes zu haben ist. Aber jetzt gehts ums Prinzip.

Es bleibt spannend. Mittelspannend.


*Achtung: Jetzt braucht es ein bisschen Erdkunde: wie Sie hier sehen, gibt es zwei Rheinfelden. Direkt nebeneinander, eines in der Schweiz (unten), eins in Deuschland (oben). Wir wohnen in keinem von beiden.

Montag, Mai 02, 2016

Diversity & Inclusion

Seit letzter Woche darf Little L. regulär zum Geräteturntraining im Dorf gehen. Er war ja Anfang Jahr schon mal schnuppern, aber da gab es keine freien Plätze mehr. Aufgrund der grossen Warteliste und weil auf einmal nach jahrelang nur Mädchenmannschaft DREI Buben auf einmal mitmachen wollten, wurde eine Bubengruppe, die gleichzeitig mit den Mädchen trainiert, ins Leben gerufen.
Little L. ist überglücklich, seine zwei Kollegen und er wurden sowohl von den Mädchen als auch den Trainerinnen sehr nett aufgenommen.
(Ich freue mich besonders, weil ich ja bei uns daheim immer die skeptisch beäugte Ausnahme war, die Leichtathletik und Ballsportarten doof und Turnen, Trampolin, Tanzen toll. Andererseits weiss ich, wie es sich für Kinder anfühlt, die "verpassten Chancen " der Eltern nutzen zu müssen oder diese Möglichkeit eben auszuschlagen und deswegen habe ich mich bei der Sportwahl der Jungs absolut rausgehalten. Ich bin jetzt nicht unendlich unglücklich, dass sie keinen Kampfsport mehr machen, bei Boxen, Football, Rugby hätte ich vermutlich zugunsten der Hirnzellen Veto eingelegt, ich bin auch nicht unglücklich, dass sie kein Fussball spielen und wir unsere Spielwochenenden in der Hockeyhalle anstatt im Regen am Spielfeldrand verbringen, aber alles in allem dürfen/müssen sie mal schön selber rausfinden, was sie können und/oder mögen. Trotzdem: allein beim Schnuppertraining hat es mich in Händen und Füssen und im ganzen Körper gekribbelt vor Lust mitzumachen oder aus Erinnerung, wie toll das Gefühl beim Turnen ist. Jetzt geniesse ich es, montag abend ein bisschen Geräteturnhallenluft zu schnuppern und dann mit einem verschwitztes Kind mit müden, magnesiatrockenen Händen, roten Backen und leuchtenden Augen durchs Dorf nach Hause zu spazieren.)
Little L. ist auf jeden Fall sehr konzentriert und begeistert bei der Sache. Letzte Woche kam dann noch eine Mail, dass sie sich sehr freuen, dass sie jetzt die Bubentruppe haben und ob es für uns okay wäre, das Bubentraining grad ein bisschen länger zu machen, weil für Buben ein Gerät mehr (Barren) auf der Liste stünde (was ist eigentlich aus Schwebebalken geworden? Macht man das nicht mehr? Jetzt nicht unbedingt die Buben, aber auch die Mädchen trainieren das nicht....). Klar ist es das!

Sonntag, Mai 01, 2016

Gloomy Sunday

Als der Hübsche und ich gestern abend um viertel nach 11 wegen müüüüüde das Licht ausmachten, ahnten wir zwar, dass Little Q. im Pfadiheim Dornach sicher noch nicht schlafen würde. Das war zwar korrekt (er ist wohl irgendwann gegen halb eins eingeschlafen), was wir aber nicht wussten: er hatte sein gegenüber dem ersten Ziel eh schon verdoppeltes Hike-Ziel nochmal verdoppelt und war 40km gelaufen. Pausenzeiten abgezogen ist seine Truppe 9.5 Stunden querfeldein gelaufen. Das ist eine so grossartige Leistung, ich bin ganz platt! (Alle 10 km war ein Ausstiegsposten, wo ein Transport zur Unterkunft organisiert wurde. Anscheinend hat die Gruppendynamik dazu geführt, dass der Grossteil der Truppe (in Q.s Gruppe waren 10 10-12jährige mit zwei Pfadileitern unterwegs) grossmütig abwinkte und noch 10km drauflegte, bis sie eben (dann doch im Regen, der am Spätnachmittag eingesetzt hatte) bei der Unterkunft ankamen. Dort gab es eine heisse Dusche, Pizza und danach wurde eben bis spät in die Nacht noch gespielt.
Entsprechend platt war Q. dann heute, er bewegte sich eher in Flash-Geschwindigkeit durch den Tag.

 

Entsprechend platt war Q. dann heute, er bewegte sich eher in Flash-Geschwindigkeit durch den Tag. Der war ein bisschen angespannt, weil sich wieder mal ein Kindle selbständig gemacht hat (diesmal der von Little Q.), wir haben zwar alles, ja, auch das Duschgel-Regal durchsucht, Little Q. ist sich "absolut sicher", dass er das Ding an verschiedenen Orten zum letzten Mal gesehen hat und es ganz sicher weder zum Unihockeytraining noch zum Hike mitgenommen hat, aber irgendwo miss das vermaledeite Ding ja sein.... Nun denn, gottseidank haben wir auch noch Papierbücher, wir haben das Kinderzimmer und alle Bücherregale bei der Suche grundentrümpelt, aber schöner wäre es schon gewesen, wenn ich den Tag mit der Lehre: "Da ist das Ding, siehste, aufräumen hilft" hätte abschliessen können, als "Jetzt haben wir wie doof gesucht und uns gegenseitig angemotzt und aufgeräumt, aber geholfen hat es nichts." Nun ja.

Samstag, April 30, 2016

Team Lerche

Eigentlich sind wir (v.a. ich, der Hübsche ist eher immer noch eher Eule) dank jahrzentelang nicht durchschlafender, dafür aber früh aufstehender Kinder mittlerweile eh immer sehr früh auf den Beinen.
Seit die Kinder aber entweder eh länger schlafen (Q.) oder sich wenigstens morgens auch selbst beschäftigen (L.), geniesse sogar ich es, am Wochenende auszuschlafen. Am Samstag heisst das: Weckerklingeln um 8, das ist die validiert optimierte Aufstehzeit, die reicht, um ein ausgiebiges Samstagsfrühstück einzukaufen und -zunehmen und dann pünktlich um 10 im Hallenbad zu sein für Little L.s Schwimmkurs.
Für dieses Wochenende stand allerdings "Früeligsputzete" in der Siedlung an, mit Antreten um 9 Uhr. Also ob das nicht schon früh genug wäre, war dann noch für die "Hike Challenge" der Pfadis, für die Little Q. sich angemeldet hat, Antreten schon um 8. Klar, wenn man bis zu 40km querfeldein laufen will, dann würde ich auch früh starten!


Also hat unser Wecker heute um 7 geläutet (ich bin ja zwanghaft optimistisch: das ist eine Stunde länger als unter der Woche!), haben Q. abgefrühstückt, Kaffee getrunken, Q. und Gepäck zum Pfadihaus gebracht (er hat spontan entschieden, statt der zunächst anvisierten 10km doch grad 20km zu laufen), Semmeln geholt, gefrühstückt, und dann die Siedlung von ungeführ 4500 Zigarettenstummeln, Kaugummis, Kronkorken und sonstigen Leckereien befreit.
Als der Hübsche und L. schwimmen waren, habe ich ein paar kleine Niedlichkeiten genäht, Kuchen (ich habe endlich mal die Zutaten in Gramm angegeben, anstatt die doofe "Joghurtbecher-Einheit") gebacken, den Slowcooker mal wieder vorgeholt und Chicken Kung Pao angesetzt.
Zwischendrin habe ich immer wieder skeptisch nach draussen geschaut, weil eigentlich für heute richtiges Sudelwetter angesagt war und ich schon mal präventiv Mitleid mit Q. beim Wandern hatte, aber: es war den ganzen Tag perfektes Wanderwetter: trocken, nicht zu heiss, nicht zu kalt.
Ich habe meine Füsse und mich in der Wanne eingeweicht (das Fitzeln geht los! Noch nicht in den erhofften grossen Fetzen, aber schon ziemlich!), mit Little L. Uno und "Schnappt Hubi!"gespielt, Zopf für morgen vorbereitet, alle meine Schminkpinsel der wöchentlichen Wäsche unterzogen, Zehennägel lackiert, Wäsche gewaschen, gelesen  und der Tag ist immer noch nicht ansatzeweise rum. Vielleicht stehe ich morgen wieder früh auf, man hat so viel mehr vom Tag. Vielleicht auch nicht.

(Amazonlinks sind Werbelinks)

Freitag, April 29, 2016

Stets bemüht

In der Bloggosphäre ploppt ja immer wieder die Frage auf "Wie authentisch sind Blogs eigentlich?" und im nächsten Atemzug heisst es dann gern "Ach, das ist eh alles geschönt, so ist das bestimmt nicht immer" und dann kann es entweder in die Richtung "Die sind nicht ehrlich, das ist alles nur fake." gehen oder, und das ist meine Lieblingsrichtung: "Da wird man so unglaublich unter Druck gesetzt, mit diesen perfekt aufgeräumten Wohnungen und perfekten Bildern auf Instagram und den durchgestylten Mottogeburtstagen. Mommywars 1!!!!!111!!1!"
 
Ich sags mal so: wenn ich mich durch den (oder auch die 300 Berichte) über einen Kindergeburtstag oder Fotos von aufgeräumten Kinderzimmern oder Bentoboxen jede verdammten Morgen unter Druck gesetzt fühle und dann Wut auf die Bentoboxer oder Partypeople entwickle, dann sollte ich vielleicht als erstes meinen Feedreader und meine Instagram-Timeline aufräumen und zweitens sollte ich mir mal überlegen, ob das Problem nicht vielleicht bei MIR liegt. Wir leben in einer Gesellschaft, wo jede(r) selber entscheiden kann, wie Kindergeburtstage gefeiert werden, (in gewissem Rahmen, zumindest in der Schweiz ;-)) was man den Kindern in die Frühstücksboxen packt und oder ob man bei Hempels unterm Sofa oder in einem Wohnweltkatalog leben möchte. Wenn ich mit dem Status Quo bei mir unzufrieden bin, dann ändere ich das, aber ich mache doch nicht Bilder von Traubenpinguinen oder ordentlich gefaltete Decken in Ton-in-Ton eingerichteten Kinderzimmern in Erdfarben mit türkisen Akzenten dafür verantwortlich.
 
Zum Thema "Die sind nicht ehrlich, das ist alles fake" übrigens: Alle Welt ereifert sich zu Thema Privatsphäre im Netz, über Kinderfotos niemalsnurvonhintenmitgrusligenKatzenmaskenstempelnüberdemGesicht, und dann wird ernsthaft erwartet, dass man (mit Katzenmaske über de Augen) ein Foto vom vollgebröselten Esszimmertisch zeigt? Ich sehe mein Blog als virtuelles Wohnzimmer, in das ich Sie einlade. Und auch wenn es bei uns vielleicht immer ein bisschen aufgeräumter ist als bei vielen andere, bevor Besuch kommt, wird hier real wie virtuell noch einmal geräumt und gewischt. Das ist halt so, da müssen Sie mit leben. Und weil letztens so ein Kommentar kam, dass ja bestimmt ich den Laden schmeissen würde und mich bestimmt total oft über den Hübschen ärgern würde, weil der bestimmt nicht so viel leistet: selbst falls das so wäre, wieso sollte ich Ihnen das erzählen? Meine Regel zum Thema "Was schreibe ich ins Blog" ist ganz einfach: Was ich in einer vollbesetzten Tram, wo alle theoretisch mithören könnten, einer Freundin erzählen würde, das kann ich hier auch schreiben. Und nein, auch wenn ich vermutlich eine geringere Schamgrenze als viele Leute habe, nicht mal vor der besten Freundin würde ich an einem öffentlichen Ort über meinen Mann herziehen. Und wenn ich hier nichts drüber schreibe, dass der Hübsche und ich uns mal nicht einig sind oder ich ihn vielleicht sogar mal doof finde, dann hat das einerseits natürlich damit zu tun, dass das nie passiert, weil wir das perfekte Paar sind und hier immer nur Glitzereinhornflausch vorherrscht, andererseits aber schon auch ein bisschen damit, dass es Sie einfach nichts angeht.
 
So, wäre das auch gesagt. Jetzt noch Pfadi-Elternabend und Generalversammlung, dann ist nach einer irren Woche ENDLICH WOCHENENDE!

Donnerstag, April 28, 2016

Challenge accepted!

Ich habe letztes Jahr (vorletztes Jahr?) bei Flo von "Der blasse Schimmer" über "Baby Foot" (Werbelink, Amazon selber liefert das auch in die Schweiz) gelesen. Das ist eine Art chemische Hornhautentfernung an den Füssen (ach ja: ich weiss, dass es genügend Leute gibt, die keine Fussbilder mögen und auc Probleme mit Hornhaut und Fitzeln und Zeug haben. Ich werde mir also Bilder verkneifen, wen es aber jetzt schon gruselt, der sollte vielleicht besser aufhören mit Lesen).
Ich laufe am liebsten barfuss und trage auch gern Sandalen, ich fitzel gerne an Haut rum, also, was könnte besser zu mir passen, als einmal Füsse häuten? Ich habe diesen Review gelesen und ganz ehrlich, ich war schon beim Titel "Baby Foot Is Weird, Gross & The Best Thing EVER" überzeugt. (Lesen Sie ruhig mal, Bilder kommen erst ganz am Schluss und das ist wirklich, wirklich lustig geschrieben!).
Also habe ich ein Päckchen Babyfüsse bei Amazon bestellt (mir wurde direkt eine monatliche Lieferung mit Rabatt angeboten, aber wir wollen mal nicht übertreiben.) Am Dienstag war es dann soweit: das Päckchen lag zusammen mit einem anderen grossen Amazonpaket in freier Wildbahn vor unseren allgemeinen Siedlungsbriefkästen im Freien direkt an der Strasse, ich bin mir nicht ganz sicher, ob der UPS-Fahrer das einfach aus dem fahrenden Auto geworfen hat oder was sonst der Grund ist, insgesamt fast 400 Euro* an Wert einfach so in der Landschaft abzustellen), ich habe  also meine Zehennägel ablackiert, meine Füsse (und mich) für eine halbe Stunde in der Badewanne eingeweicht und mich dann mit Strickzeug, Tee und Äpfeln auf dem Sofa häuslich eingerichtet, die Plastikfüsslinge aufgeschnitten, angezogen und mit den beigeleten Klebstreifen ordentlich befestigt. Bis der gelige Inhalt fusswarm war, fühlte sich das so ein bisschen an, wie mit nackten Füssen in einen Eimer kalten Kleister steigen.... Neuerdings sind schicke rote flauschige Übersocken mit Stoppnoppen dabei, so dass man eigentlich auch noch mobil wäre in der Einwirkzeit, dazu ist man auch einfach gut angezogen, aber man kann natürlich auch den Mann für das Anreichen von mehr Tee, Äpfeln, Keksen und zum DVD-Wechseln einplanen.
Joah. Ich sass dann also knapp zwei Stunden mit Glibberpaketen um die Füsse rum da, spürte nix (kein Kribbeln, Brennen, irgendwas), dann habe ich das Zeug abgenommen, die Füsse abgeduscht und fertig.
Am Tag danach fühlte sich die Haut zwischen Ballen und Ferse ein wenig trocken und gefühllos an, ich stelle mir vor, dass sich eine Eidechse auch so fühlt, kurz bevor sie sich häutet. Mehr ist bisher noch nicht passiert, ich bin aber schon sehr gespannt! Von mir aus kann der Frühling/Sommer noch zwei, drei Wochen auf sich warten lassen, ich gehe davon aus, dass es ungefähr so lang dauert, bis meine Häutung abgeschlossen ist. Und ausserdem hoffe ich, dass der Ersatz für den Ersatzroomba bald kommt, damit  die Spur aus Hautfetzen, ich ich plane zu hinterlassen, diskret entfernt wird.



So spannend, das alles!


*Nein, nicht die Babyfüsse, das war der neue Roomba, der alte ist innerhalb der Garantie mehrfach so kaputt gegangen, dass es jetzt einen neuen gab. Der schon kaputt geliefert wurde, aber das ist eine andere Geschichte.